Saale-Unstrut – 1.000 Jahre Weinbaukultur, Natur und spektakuläre Architektur

Dornburger Schlösser mit Schlossgärten

Saale-Unstrut ist bekannt für mehr als 1.000 Jahre Weinbaukultur und ein spektakuläres architektonisches Erbe. Doch die klimatisch verwöhnte Region ist auch ein Reiseziel für Natur- und Gartenfreunde.

Schlosspark Moritzburg Zeitz

Die Saison für botanische Entdeckungen startet hier früh, reicht bis in den Herbst und hält einige Überraschungen parat.

Naumburger Dom (C) Gabriele Wilms
Naumburger Dom

UNESCO-Welterbe Naumburger Dom, Schloss Neuenburg, Kloster und Kaiserpfalz Memleben und mehr. Der Reichtum an steinernen Zeitzeugen macht Saale-Unstrut zu einer der bedeutendsten Kulturlandschaften Europas.

Freyburg (C) Gabriele Wilms
Freyburg

Doch die Weinbauregion zwischen Leipzig und Weimar hat auch eine faszinierende grüne Seite. Von der Blüte der Winterlinge im Februar bis zum Fruchtschmuck der Mehlbeere im Oktober laden Schloss- und Kurparks, Kloster- und Themengärten, Wanderwege und Naturschutzgebiete dazu ein, stille Naturmomente, botanische Raritäten und zauberhafte Szenerien zu erleben. Das sind die Highlights.

Februar: Wenn Winterlinge leuchten

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Gelbes Blütenmeer vor braunem Laub oder Schnee: Flächen mit Winterlingen gehören zu den reizvollsten Fotomotiven im Spätwinter. Einer der bekanntesten Spots für die Winterling-Schau in Mitteldeutschland ist der Schlosspark Ostrau, nördlich von Halle. Etwa ab Mitte Februar ist die historische Anlage mit ihrem wertvollen, teils exotischen Baumbestand weitflächig von einem gelben Blütenteppich bedeckt. An den Wochenenden zwischen 14. Februar und 8. März feiert der Verein Schloss Ostrau das gelbe Wunder mit den Winterling-Tagen.

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Winterlinge im Rautal bei Jena

Auch andernorts in Saale-Unstrut zeigen sich die Winterlinge, wie im Rautal, nördlich von Jena, in der Naturerlebnisregion natura jenensis. Der zwei Kilometer lange Rundweg Winterlinge führt ab dem Ortsteil Closewitz zu einem fünf Hektar großen Blütenteppich – einmalig in Mitteleuropa! Der ausgeschilderte Weg ist leicht und naturnah. Robustes Schuhwerk wird empfohlen.

März: Märzenbecher-Poesie im Wald

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Märzenbecher bei Querfurt

Kurz nach den Winterlingen wagen sich auch die Märzenbecher aus der Deckung. Ebenfalls zart und oft in großen Teppichen, aber schneeweiß und meist versteckt in feucht-kühlen Tälern. In der Nähe großer Bestände liegt der erste Frühlingsduft des Jahres in der Luft. Massenvorkommen der geschützten Pflanze sind jedoch selten.

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Märzenbecher bei Querfurt

Darum pilgern Frühling für Frühling Schaulustige in den Ziegelrodaer Forst, unweit von Querfurt im Geo-Naturpark Saale-Unstrut-Triasland. Hier, im Märzenbechertal bei Landgrafroda, leuchten unter alten Buchen und Eichen Millionen der weißen, glockenförmigen Blüten. Eine leichte Wanderung von etwa vier Kilometern Länge startet am Feuerwehrhaus in Landgrafroda.

April: Frühlingszauber im Blütengrund

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Kirschblüte auf Streuobstwiesen in Saale-Unstrut

Die Blüte der Obstgehölze: Das ist das botanische Highlight im April in Saale-Unstrut. Ein besonders romantischer Ort, um es zu erleben, ist der Blütengrund zwischen Naumburg und Freyburg. Die Frühlingspracht der weitläufigen Streuobstwiesen hat dem zum Geo-Naturpark Saale-Unstrut-Triasland gehörende Landstrich zu seinem Namen verholfen. Jahrhunderte alte Terrassenweinberge säumen hier, an der Mündung der Unstrut in die Saale, eine malerische Auenlandschaft. Rad- und Wanderwege führen entlang der Ufer und bieten immer wieder erhebende Ausblicke auf das Saaletal und die umliegende Natur.

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Kirschblüte auf Streuobstwiesen in Saale-Unstrut

Nicht nur die Obstblüte, auch die daraus entstehenden Produkte präsentiert der Obsthof Müller nahe der Burg Querfurt. Sein Hofladen steht vis-a-vis der historischen Wehranlage inmitten einer Streuobstwiese, auf der schottische Hochlandrinder grasen. Was hier verkauft wird, stammt zumeist aus eigener Produktion. Aus Äpfeln, Kirschen, Aprikosen und Pflaumen entstehen in der eigenen Manufaktur Fruchtaufstriche, Säfte, Obstbrände und mehr. Die Apfelchips wurden 2025 mit dem Genusspreis „Kulinarischer Stern“ des Landes Sachsen-Anhalt prämiert.

Mai/Juni: Wanderungen zu wilden Orchideen

Raffiniertes Design, hoher Anspruch, clevere Symbiosen: Orchideen gehören zu den faszinierendsten einheimischen Blumen. Wildformen in der Natur zu finden, ist für Pflanzenfreunde ein seltenes Glück. Im Geo-Naturpark Saale-Unstrut-Triasland, gibt es zwischen Weinbergen, Tälern und Plateaus gleich mehrere Gebiete, wo sich dank perfekter Standortbedingungen verlässlich vielfältige Arten der wärmeliebenden Kulturfolger finden lassen.

Helm-Knabenkraut (Orchis militaris) auf dem Rödel. Foto: Nadine Ormo
Helm-Knabenkraut (Orchis militaris) auf dem Rödel. Foto: Nadine Ormo

Dazu gehört das Naturschutzgebiet „Forst Bibra“ bei Bad Bibra, das sich entlang des Höhenzuges Finne entlang der Talränder erstreckt. Bei individuellen Touren auf dem Orchideenwanderweg, der auf etwa acht Kilometern um den traditionsreichen Kurort führt, lassen sich auf Buntsandstein- und Muschelkalkplateaus 18 Orchideenarten entdecken. Im Mai und Juni starten Orchideenführungen.

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Orchideengebiet auf dem Rödel, Freyburg

Ein zweiter Orchideen-Hotspot ist das Naturschutzgebiet „Tote Täler“ südlich von Freyburg. Auf den wertvollen Trockenrasenflächen wurden bereits 25 heimische Orchideenarten nachgewiesen. Im Südwesten des Gebietes verläuft der etwa 1,5 Kilometer lange Orchideenpfad bei Balgstädt. Er ist zu Fuß im Rahmen einer etwa fünf Kilometer langen Tour durch das Naturschutzgebiet zu erreichen.

Juli/August: Parkkunst und Rosenblüte

Rosen in Dornburg (c) TTV-Jens Hauspurg
Rosen in Dornburg

Der Hochsommer ist die beste Zeit, die vielfältigen historischen Parks in Saale-Unstrut zu entdecken. Bäume und Sträucher haben ihre volle Blattmasse, Beete und Rabatten ihren Blühhöhepunkt. Große Altbäume und Wasserflächen schaffen kühle Oasen. Open-Air-Konzerte und Garten-Events feiern die langen, warmen Abende.

Rosen in Dornburg (c) TTV-Jens Hauspurg
Rosen in Dornburg

Zu den bedeutendsten Freianlagen gehört der Schlosspark Moritzburg Zeitz. Seit der Landesgartenschau 2024 bietet die Anlage einen spannenden Stilmix aus historischen und modernen Parkteilen. Highlight ist der Japanische Garten, gestiftet von der Partnerstadt Tosu und angelegt von japanischen Gartenbaumeistern. Es ist eine der authentischsten japanischen Gartenanlagen in Deutschland.

Rosen in Dornburg (c) TTV-Jens Hauspurg
Dornburger Schlösser mit Schlossgärten

Ein Pilgerziel für Rosenfans ist das Ensemble Dornburger Schlösser mit ihren Schlossgärten. Mehr als 2.000 Rosenstöcke sorgen für duftige Blütenpracht in den fünf teils im englischen, teils im französischen Stil gestalteten Terrassengärten. Highlight für Augen und Nase ist der von Kletterrosen umrankte Laubengang. Bei einem Volksfest Ende Juni wird jährlich die Dornburger Rosenkönigin gekrönt.

September: Dahlien-Zauber in der Stadt der Blumen

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Dahlien in Bad Köstritz

Was die Rosen für Dornburg sind die Dahlien für Bad Köstritz. Schon seit etwa 200 Jahren widmen sich heimische Gärtnereien der exotischen, ursprünglich aus Mittelamerika stammenden Pflanzenart. So wurde Köstritz – seit 1926 „Bad“ – die Wiege der deutschen Dahlienzucht und als „Stadt der Blumen“ überregional bekannt. Das Dahlien-Zentrum Bad Köstritz erzählt mit einer Ausstellung diese erstaunliche Geschichte. Der hiesige Lehr- und Schaugarten zeigt etwa 80 historische Sorten sowie Naturarten und Neuzüchtungen. Anfang September stehen die Gewächse in voller Blüte. Dann feiert Bad Köstritz das Dahlienfest und krönt die Dahlienkönigin.

Oktober/November: Herbstpracht der Mehlbeere

Der Herbst ist auch in Saale-Unstrut die Zeit der warmen Farben. Eine weniger bekannte Baumart sticht dann mit dekorativen, orange-roten Früchten hervor – insbesondere später im Jahr, wenn andere Laubbäume längst kahl sind: die Mehlbeere. Spannend ist ihre Fähigkeit, Trockenheit zu verkraften. Außerdem ist sie eine wichtige Nahrungsquelle für Insekten im Frühling und Vögel im Winter. Daher gilt die Mehlbeere als Zukunftsbaum für Städte.

Freyburg 2(C) Gabriele Wilms
Freyburg

 

Saale-Unstrut mit den kalkreichen, eher trockenen Standorten, ist ideales Terrain für die Mehlbeere. Insbesondere das Mittlere Saaletal rings um Jena ist ein Hotspot für den Baum des Jahres 2024. Einige sehr seltene Arten wie Heilinger Mehlbeere oder Speierling sind im Botanischen Garten Jena zu erleben. Überhaupt ist die Anlage ein Pflichtbesuch für Pflanzenfreunde. Deutschlands zweitältester botanischer Garten zeigt auf fast fünf Hektar Fläche etwa 10.000 Arten aus allen Klimazonen der Erde.

Weitere saisonale Tipps, Routenideen und aktuelle Veranstaltungshinweise für Garten- und Pflanzenfreunde bündelt die Tourismusregion Saale-Unstrut auf https://www.saale-unstrut-tourismus.de/region/inspirieren-lassen/detail/parks-und-gaerten-in-saale-unstrut. ■

Pflanzenmomente in Saale-Unstrut

→ Spätwinter: Blüte der Winterlinge im Schlosspark Ostrau, Rautal
→ März: Märzenbecherblüte – Märzenbechertal Landgrafroda
→ April: Obstblüte im Blütengrund
→ Mai/Juni: Orchideenblüte im Naturschutzgebiete „Forst Bibra“ und „Tote Täler“
→ Juli/August: Parkkunst & Rosenblüte im Schloss Moritzburg Zeitz, Dornburger Schlösser
→ September: Dahlienblüte in Bad Köstritz
→ Oktober/November: Herbstpracht der Mehlbeere und Botanischer Garten in Jena

Events für Gartenfreunde in Saale-Unstrut 2026

→ 14.-15., 21.-22., 28. Februar; 1., 7.-8. März: Winterling-Tage im Schlosspark Ostrau
→ Mai/Juni: Orchideen-Führungen im Naturschutzgebiet „Forst Bibra“
→ 17. & 31. Mai Orchideenwanderung entlang der Weinberge des Landesweinguts Kloster Pforta
→ 5.-7. Juni: Rendezvous im Garten, Naumburger Domgarten
→ 29. August 2026: Dornburger Schlössernacht
→ 4.-6. September: Dahlienfest Bad Köstritz

Quelle und Fotos: Saale-Unstrut Tourismus GmbH, Fotos von Naumburg und Freyburg Gabriele Wilms

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