Ayurveda zum Kennenlernen im Schwarzwald

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Was ist Ayurveda? Genau dieser Frage wollte ich im Hotel Vier Jahreszeiten am Schluchsee nachgehen, denn seit über 20 Jahren wird hier Ayurveda ganz authentisch praktiziert.

Wir haben unser tolles Apartment in der 6 Etage des Hotels für unseren Kurzaufenthalt bezogen. In dieser Etage befindet sich auch das Ayurveda-Zentrum des Hotels, dass 20-jähriges Jubiläum feiert.

Die Zimmer der Ayurvedagäste, die eine mehrtägige Ayurvedakur buchen, sind extra in der gleichen Etage, damit sie sich zurückziehen und ganz auf ihre Kur konzentrieren können.

Nach knapp 6 Monaten Bauzeit wurde im Juni 2001 das Ayurvedazentrum, nach dem Vorbild eines Originalzentrums auf der Insel Sri Lanka, im Hotels Vier Jahreszeiten am Schluchsee eröffnet. So entstanden verschiedene Behandlungsräume, Dampfbäder, ein Vorbereitungszimmer für die ayurvedische Kräutermedizin und ein kleines Ayurvedarestaurant. Damit war das Hotel in Deutschland einer der Vorreiter für eine Gesundheitskur, deren Geschichte Jahrtausende zurück geht und auf Sri Lanka und in Indien als Ayurveda, übersetzt aus dem Sanskrit mit „die Wissenschaft vom Leben“, erfolgreich zur Prävention und Behandlung von Krankheiten eingesetzt wird.

Das Team aus Sri Lanka besteht aus einem Ayurveda-Arzt, sechs Ayurvedatherapeuten und einem Ayurvedakoch, die Original-Methoden während der Kur auf höchstem Niveau garantieren. Die ayurvedische Lehre bietet einen ganzheitlichen Ansatz, um Abwehrkräfte langfristig zu stärken und ist das älteste bekannte Gesundheitssystem. Ayurveda setzt Pflanzen, Mineralien, Kräuter und Gewürze als Heilmittel ein, um gestörte Energieverhältnisse wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Die ayurvedische Ernährung wird exakt auf die Bedürfnisse und dem Konstitutionstyp – den „Doshas“: Vata (Luft), Pitta (Feuer) und Kapha (Erde) – des einzelnen Menschen abgestimmt.

Original-Ayurveda-Kur aus Sri Lanka

Ayurveda, Lucia de Bello und Dr. Nihal Jayadeva

Ayurveda-Kuren sind in der Regel sehr intensive Kuren. Am Anfang der Behandlung ging es für mich ins Ayurveda-Kurzentrum zur Anfangskonsultation beim Ayurveda-Arzt und Ayurveda-Spezialist Dr. Nihal Jayadeva aus Sri Lanka. Er absolvierte 1999 sein Studium an der „University of Colombo“ und hat sich auf Panchakarma-Kuren spezialisiert. Bei mir erstellte er eine Anamnese, um meinen Gesundheitszustand zu ermitteln. Dabei stellte er fest, dass ich ein Mischtyp Kapha-Pitta bin. Er gab mir Tipps für zu Hause, was ich zum Beispiel essen sollte, um mein Immunsystem zu stärken. Abends wären Fußbäder mit lauwarmem Sesamöl ratsam und danach die Füße in warme Socken packen, das beruhigt Vata auf wohltuende Weise.

Am Morgen empfahl er mir warmen Frühstücksbrei.

Die eigenen Abwehrkräfte zu stärken ist in der kalten Jahreszeit, nicht nur zu Zeiten der Pandemie, besonders wichtig. Aus diesem Grund möchten wir etwas für unser Immunsystem tun. Gerade jetzt, zu Zeiten von Corona ist es schwierig ins Ausland zu reisen und auch deshalb sind die authentischen Ayurveda-Kuren am Schluchsee so begehrt und genießen einem hervorragenden Ruf. Dies bestätigte mir ein Schweizer Kurgast, der gerade eine 12-tägige Kur absolvierte und total begeistert von dem Angebot und der Qualität der anspruchsvollen, therapeutischen Maßnahmen war. Er arbeitet in der Pflege und gerade zu diesen Zeiten am extremen Limit. Mit Hilfe der Ayurveda-Kur wird er gesund und gestärkt, um mit neuer Energie, für seinen schweren Job, in den Alltag starten.

Im Ayurveda werden Krankheiten als Disharmonie des inneren Gleichgewichts verstanden. Denn wenn der natürliche Gesundheits-Zustand – Prakriti mit einem krankmachenden Element in Berührung gekommen ist, gerät das Dosha – die Lebensenergien aus dem Gleichgewicht. Dabei wird die Immunität vornehmlich vom Kapha Dosha bestimmt. In der kalten und nassen Jahreszeit steigt das Kapha im Körper an und es wird mehr Sekret produziert, welches ein Nährboden für Viren und Bakterien ist.

Ein gesunder und ausgewogener Lebensstil ist die effektivste Prävention vor Ansteckungen, dies ist in der Schulmedizin und bei Ayurveda ähnlich. Zur ayurvedischen Therapie zählen gesunder Schlaf, die richtige Atmung, Ernährung, eine funktionierende Verdauung und regelmäßige Bewegung, die nachweislich positive Effekte auf Körper und Geist haben. Wohltuenden Kräuteranwendungen, Entgiftungen und Massagen lösen stagnierende Stoffwechselprozesse und sorgen dafür, dass Energie wieder frei fließen kann, genau dies bewirken die reinigenden ayurvedischen Kuren im Vier Jahreszeiten.

rechts mein Ayurvedatherapeut Phushpa Ambalangoda

Für meine Ayurveda-Kur hatte der Ayurveda-Arzt Nihal Jayadeva eine 2-stündige Ganzkörpermassage und ein Dampfbad festgelegt. Ich erhielt einen schönen roten Bademantel und einen Einwegslip. Der Ayurvedatherapeut Phushpa Ambalangoda hatte mich ganz fantastisch massiert. Er kommt aus Sri Lanke und ist 45 Jahre alt und hatte bis 1997 seine Ausbildung alt Ayurvedatherapeut absolviert. Er arbeitete bis 2004 im Hotel Lanka Prinzess Beruwela in Sri Lanke. Seit 2004 ist er hier im Hotel Vier Jahreszeiten am Schluchsee als Ayurvedatherapeut tätig.

Ich setzte mich auf einen Stuhl und er fing mit einer Kopf- und Nackenmassage, dabei wurde mir warmes Öl auf den Kopf gegeben und dann richtig gut massiert. Eigentlich bin ich kein großer Freund von einer Kopfmassage, diese tat echt gut.

Weiter ging es im Liegen, von den Füßen über die Beine, Bauch, Arme, Hände und dann der Rücken. Er arbeitete mit warmen, hochwertigen Ayurveda-Öl. Meine trockne Haut hat dieses Öl aufgesaugt wie ein Schwamm. Ich habe mich bei der Massage total wohl gefühlt, Phushpa Ambalangoda hat echt goldene Hände. Eine Ganzkörper-Ölmassage gehört zu den angenehmsten Vata-balancierenden Maßnahmen, denn durch Wärme und Feuchtigkeit wird die Vata-Eigenschaft „kalt“ und „trocken“ ausgeglichen.

Nun ging es ins Kräuter-Dampfbad. Dieses erinnert mich ein bisschen an eine Solarium-Bank, aber aus Holz. Man liegt mit dem Handtuch auf einem Holzrost. Unterhalb des Rostes werden von zwei Therapeuten zwei extrem große Töpfe mit kochendem Wasser geschoben. Dann wird die Klappe geschlossen, so dass nur noch der Kopf draußen ist. Durch den Dampf wird es wohlig warm. Ich bleibe rund 20 Minuten in dem „Schwitzkasten“.

Nach der intensiven Behandlung heißt es ruhen, deshalb hatte ich mich in das Zimmer zurückgezogen. Man erhält ein extra Laken und hat eine extra Zudecke, damit das Öl nicht an die normale Bettwäsche kommt, da es Probleme gibt, dieses Öl herauszuwaschen.

Sojaspagetti mit Tomatensauce aus frischen Tomaten mit Kurkuma, Ingwer und Kardamom

Zum Abendessen servierte uns der Ayurvedakoch Fernando Nikulan Sojaspagetti mit Tomatensauce aus frischen Tomaten mit Kurkuma, Ingwer und Kardamom, echt lecker.

Die Mahlzeiten wurden immer gemeinsam mit anderen Kur-Gästen in dem kleinen Bistro im Ayurvedazentrum eingenommen. Hier stehen auch ein Samowar mit heißem Wasser und verschiedene Teesorten zur Verfügung.

Ayurvedakoch Fernando Nikulan

Fernando kam vor 17 Jahren aus Sri Lanka nach Deutschland und kocht hier im Hotel ayurvedisch und die vegetarischen Gerichte. Bei der ayurvedischen Küche kocht er ohne Weizenmehl und ohne Ei.

Er verwendet asiatisches, aber auch sein eigenes Gemüse. Er zeigt uns in der Küche das Geheimnis seiner Gewürze, er stellt seine Gewürzmischungen selbst her.

Der sympathische Koch führt uns kulinarisch in seine Heimat Sri Lanka, verrät uns die Wirkungsweise einiger Gewürze, die er in der Ayurvedaküche einsetzt. Er lässt uns riechen und schmecken und wir bekommen einen kleinen Einblick in seine ayurvedische Kochkunst, die von den Wohlfühlgeheimnissen Asiens inspiriert wird und den Kochgrundsätzen der ayurvedischen Lehre folgt. Das Essen hat mich besonders geschmacklich überrascht.

Lucia de Bello

Am Morgen hatte uns Lucia de Bello aus Slowenien betreut. Sie ist mit einem Italiener verheiratet und daher der italienische Name. Es gab warmen Frühstücksbrei aus Haferflocken, Wasser mit Rosinen, Ghee (Butterschmalz), Nüssen und Kernen zu essen, der mit Kurkuma und Kardamom gewürzt und mit Soja- oder Kokosmilch geschmeidig gemacht wird. Wieder einmal war ich positiv überrascht, denn eigentlich bin ich kein Freund von Haferflocken, aber dieser Brei mit Honig verfeinert war ein Genuss. Es gab keinen Kaffee, sondern nur Tee, jeden Tag gab es einen speziellen Tages-Tee. Ich muss zugeben, ich habe den Kaffee nicht vermisst.

Mittagessen ist die wichtigste Mahlzeit der Ayurvedakur, so gab es zum Beispiel als Vorspeise Rote Beete Carpaccio mit einen Apfel Chutney, welche Fernando auch selber herstellt. Als Hauptgang kein Fleisch, was ich auch nicht vermisst hatte, sondern Reis mit verschiedenem Gemüse, wie Bohnen, Linsen und Pilzen.

Im Winter ist aufgrund der äußeren Kälte das innere „Agni“ – die Verdauungskraft – stärker als in anderen Jahreszeiten. Daher kann man jetzt etwas kräftiger und reichhaltiger essen. Zu leichte Nahrung würde dazu führen, dass das starke Verdauungsfeuer Körpergewebe abbaut und das Vata aus dem Gleichgewicht gebracht wird. Wind und Kälte bewirken zudem eine Erhöhung des Vata-Doshas. Dem Vata-Dosha werden die Haupteigenschaften „luftig“, „trocken“, „kalt“ und „unregelmäßig“ zugeordnet.

Daher wird empfohlen folgende Vata-reduzierende Maßnahmen durchzuführen:
– Bevorzugen sie warme und nahrhafte Speisen, wie Eintöpfe, Nudelgerichte, Aufläufe; Milchprodukte, wie Sahne, Milchreis; Nüsse, Mandeln, eingeweichte Trockenfrüchte, wie Datteln, Rosinen, Feigen mit Sahne und Zimt
– Reduzieren sie Rohkost, Salate, Kohlsorten und trockene Speisen, wie rohe Haferflocken, Knäckebrot oder Cornflakes mit kalter Milch
– Benutzen sie zum Kochen immer etwas Ghee – gereinigte Butter – sie wir im Ayurveda wegen seiner gesundheitsfördernden Eigenschaften besonders hochgeschätzt.
– Vata-beruhigende Gewürze sind Zimt, Fenchel, Anis, Muskat, Kümmel, Kardamom, Süßholz, Nelken, frischer Ingwer, Petersilie und Basilikum. Viele dieser Gewürze sind im Vata Balance, einer ayurvedischen Gewürzmischung, bereits enthalten.
– Vermeiden sie eiskalte Getränke, stattdessen Warmes, empfehlenswert ist mehrmals täglich warmes Wasser trinken. Kaffee, Schwarztee und Zigaretten bringen Vata schnell aus dem Gleichgewicht.

Das Hotel Vier Jahreszeiten am Schluchsee

Auf 1000 Meter Höhe, eingebettet in die landschaftlich reizvolle Umgebung des Hochschwarzwald, liegt das Hotel Vier Jahreszeiten ganz idyllisch im heilklimatischen Ort Schluchsee. Die Region gehört zum Naturpark Südschwarzwald mit vielfältigen Freizeit- und Erholungsmöglichkeiten. Es ist das größte Ferienhotel im Schwarzwald und hat sich seit Anfang der 1980er Jahre auf ganzheitliche Wellness- und Gesundheitsangebote spezialisiert.

Das Haus verfügt über 206 wunderschöne Zimmer, Appartements und Suiten, in denen man sich heimisch fühlt.

Im 4.000 qm Wellness- und Spa-Bereich locken ein toller Innenpool und ein Außenpool auf der Terrasse. Besonders schön ist es für mich den Tag, noch vor dem Frühstück, mit einer Runde schwimmen zu beginnen.

Ein ausgezeichneter Saunabereich, der bereits 10.00 Uhr geöffnet ist, lädt mit verschiedenen Saunen zum Schwitzen und Entspannen ein. Dies haben wir auch ausgiebig genutzt.

Mehr Informationen zu Ayurveda im Hotel Vier Jahreszeiten am Schluchsee finden Sie hier

Wir danken dem gesamten Team des Hotel Vier Jahreszeiten, besonders Frau Hergarden, dem Ayurveda-Team, Ayurvedakoch Fernando und Gabriele Eppler von SpaPress für die Unterstützung.

Fotos Gabriele Wilms und Michael Cremer

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Gabriele Wilms
Über Gabriele Wilms 747 Artikel
Seit vielen Jahren beschäftige ich mich intensiv mit der Tätigkeit als Reisejournalistin und Bloggerin. Ich betreue Toureal als verantwortliche Chefredakteurin. Gut ein Drittel des Jahres bin ich daher für unser Reisemagazin unterwegs in den schönsten Hotels, Regionen Europas und weltweit.

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