Überraschende Flusskreuzfahrt mit der MS Lady Diletta (Teil 2)

Reisen zu Zeiten von Corona kann überraschend sein, so wie meine Flusskreuzfahrt durch die Niederlande mit der MS Lady Diletta. Unsere Route wurde mehrmals geändert. Weiter geht es mit Teil 2. Zum ersten Teil der überraschenden Kreuzfahrt geht es hier entlang

Besuch auf der Brücke

Kapitän Andrè Harscher hat uns auf die Brücke, oder besser gesagt ins Steuerhaus eingeladen. Gemeinsam mit dem 2. Kapitän Jürgen Ruderer steuert er die stolze „Lady“ durch die Gewässer.

Der sympathische Kapitän ist in Dessau, Sachsen-Anhalt, meiner alten Heimat, geboren und lebt jetzt mit seiner Frau in Berlin. Jürgen, der 2. Kapitän kommt aus Dresden und war der Ausbilder von Andrè Harscher. Jetzt haben sie die Rollen getauscht. Andrè Harscher hatte 2007 sein 1. Patent als 1. Kapitän. Die Kapitäne sind immer 30 Tage an Bord und haben dann 30 Tage frei.

Auf nach Lemmer

Am späten Nachmittag verlassen wir den Hafen von Lelystad fahren nach Lemmer. Auf Grund der Schiffsgröße von 135 m Länge erhält die MS Lady Diletta die Sondererlaubnis, am Pier einer Werft anzulegen.

Der niederländische kleine Hafenstadt Lemmer am Rande des IJsselmeers ist eine von Frieslands bedeutendsten Wassersportorten. Segeln ist ein Volkssport in Lemmer und es gibt vielen Segelschulen. Aber auch Eislaufen ist Volkssport, denn wenn sich strenge Fröste ankündigen, werden große Parkplätze geflutet und bilden zusammen mit den zugefrorenen Grachten große Eislaufbahnen.

Das hübsche Städtchen beeindruckt durch den tollen Baustil entlang der Grachten. Im 19. Jahrhundert gehörte Lemmer zu den bedeutendsten Fischereihäfen der Niederlande und hatte zum Teil eine Flotte von mehr als 140 Schiffen. Die Lemster Aak ist der Typ eines historischen Plattboden-Segelschiffs, welches aus Lemmer kommt. So ist die Segeljacht von Prinzessin Beatrix, De Groene Draak, eine Lemster Aak. Der Wassersporttourismus hat heute aufgrund der Lage am Ende des Prinses-Magriet-Kanals und der Nähe zum IJsselmeer eine große Bedeutung.

Beeindruckende Einfahrt in Kampen

Mittags war unser kurzer Besuch in Lemmer beendet, wir legten in Lemmer ab und fuhren nach Kampen. Besonders beeindruckend war die Einfahrt durch die Brücke „Stadsbrug“. Diese wird für den Schiffsverkehr nach oben gezogen. Wir legten direkt am Zentrum der Stadt an und konnten die historische Hansestadt Kampen zu Fuß erkunden.

Hier erinnern mächtige Stadttore, prunkvolle Patrizierhäuser und hunderte Denkmäler an die Zeit der Hanse. Die Stadtväter wollten ihre Unabhängigkeit bewahren und deshalb nicht dem Hansebund betreten. Als die Grafschaft Holland 1441 dem Hansebund den Krieg erklärte, musste sich die Stadt für eine Seite entscheiden und trat der Hanse bei.

Die kleine Siedlung an der IJssel wurde im Mittelalter schnell zu einer blühenden Hansestadt und im Hansebund im 15. Jahrhundert zu einer der mächtigsten Städte der Hanse. Die Schiffer aus Kampen befuhren die Ostsee, die deutsche Nordsee und verkehrten zwischen England, Frankreich und Holland.

Dies wurde durch die Entwicklung des neuen Schiffstyp, der Kogge vorangetrieben. Als Erinnerung daran wurde in Kampen eine Kogge mit Originalmaterialien jener Zeit nachgebaut. Wie toll war es dieser Kogge auf unserer Einfahrt nach Kampen zu begegnen.

Maritimes Harlingen erkunden

Am nächsten Morgen wurde für uns die Brücke „Stadsbrug“ etwas früher geöffnet und wir fuhren in Richtung Kornwarderzand, wo wir an der Lorentzschleuse in Friesland fest machten. Vor hier wurden wir mit Bussen nach Harlingen gebracht.

Friesland in Holland ist 100m breit und 150m lang und 11 Städte, die miteinander verbunden sind. Der tiefste Punkt liegt 4m unter dem Meeresspiegel.

Harlingen ist eine nette Hafenstadt in der Provinz Friesland, die wirtschaftlich durch Landwirtschaft, Schifffahrt, Seefischerei und Tourismus geprägt wird. Rund acht Kilometer südlich von Harlingen beginnt der Abschlussdeich, der das Wattenmeer vom IJsselmeer trennt.

Harlingen hat verschiedene Hafenbecken, die teils wirtschaftlich und touristisch, wie zum Beispiel der Zuiderhafen für Yachten und Traditionssegler, genutzt werden. Der neue Fischeihafen wird von großen Kuttern aus Urk angefahren, wobei hauptsächlich Muscheln an Land gebracht werden. Es gibt eine Fährverbindung zu den Westfriesischen Inseln Terschelling und Vlieland.

Beeindruckend ist der naturgetreue Pottwal im Zuider-Pier, er stößt in unregelmäßigen Abständen einen kräftigen Wasserstrahl aus, als ob er tatsächlich lebt. Wir hatten das Glück dies zu erleben. Wal war früher Gegenstand des Handels, er symbolisierte die Kraft des Meeres. Sie sind heute Opfer menschlicher Allmacht und Kontrolle über alle Lebensformen. Diese großartigen Tiere landen heutzutage in seichten Gewässern und anstatt sie zu jagen, bemüht man sich, sie zu retten.

Gala-Empfang und Gala-Dinner

In der Tintoretto Lounge wurden wir von Kapitän Andrè Harscher, Hotelmanager Ovidiu Nicolescu und Kreuzfahrtleiterin Alexandra Cortese im Namen von PLANTOURS Kreuzfahrten und der gesamten Besatzung der MS Lady Diletta zum Gala-Sekt eingeladen. Dabei wurden uns die einzelnen Besatzungsmitglieder vorgestellt, bei denen wir uns mit ordentlich Applaus bedanken konnten.

Danach wurde uns im Tiepolo Restaurant das Gala-Dinner vom Küchen- und Restaurantteam gereicht. Den Abschluss machte die Eisbombe, die vom gesamten Team hereingebracht wurde, wobei auch dieses Team vorgestellt wurde und mit ordentlich Applaus belohnt wurde.

Letzte Station Arnheim

Mittags des nächsten Tages machen wir an unserer letzten Station Arnheim fest. Arnheim ist kurzfristig zu unserer Route dazu gekommen, da während der Fahrt Utrecht zum Corona-Hotspot erklärt wurde. Es war wirklich bemerkenswert wie schnell Kapitän und Plantours die Routen geändert hatten, um Niemanden zu gefährden, ein großes Dankeschön dafür.

Arnheim befindet sich an der deutsch-niederländischen Grenze und ist eine der ältesten Städte der Niederlande. Sie ist Hauptstadt der Provinz Gelderland. Arnheim blickt auf mehr als elf ereignisreiche und bewegte Jahrhunderte zurück.

Der historische Stadtkern mit seinen beeindruckenden, geschichtsträchtigen Gebäuden, wie die Eusebiuskirche, auch „Grote Kerk“ genannt, dominieren das Stadtbild von Arnheim. Sie ist die Hauptkirche und gehört zur Protestantischen Kirche in den Niederlanden.

Am Abend legten wir ab und fuhren in Richtung Düsseldorf, wo wir am Morgen anlegten. Nach dem Frühstück verließen wir das Schiff, um mit dem Taxi zum Bahnhof zu fahren. Die Taxis wurden von den netten Damen der Rezeption und der Kreuzfahrtleiterin Alexandra organisiert.

Ich danke John Will von John Will Kommunikation, Kapitän Andrè Harscher, Hotelmanager Ovidiu Nicolescu und Kreuzfahrtleiterin Alexandra Cortese, PLANTOURS Kreuzfahrten und der gesamten Besatzung der MS Lady Diletta für die fantastischen Tage an Bord, die tolle Organisation und die Unterstützung für meine Recherche.

Fotos Gabriele Wilms

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Gabriele Wilms
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Seit vielen Jahren beschäftige ich mich intensiv mit der Tätigkeit als Reisejournalistin und Bloggerin. Ich betreue Toureal als verantwortliche Chefredakteurin. Gut ein Drittel des Jahres bin ich daher für unser Reisemagazin unterwegs in den schönsten Hotels, Regionen Europas und weltweit.

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