Bad Birnbach – Autonome Bedarfsfahrten erstmals im Regelbetrieb

Im ländlichen Raum ist der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) eine Herausforderung. Wenn es darum geht, hierfür neue Verfahren zu entwickeln, ist Bad Birnbach ein perfektes Reallabor.

Die Flächengemeinde liegt im Landkreis Rottal-Inn, der zu den streusiedlungsreichsten in ganz Deutschland gehört. Alleine die 5.800 Einwohner von Bad Birnbach verteilen sich auf 85 verschiedene Ortsteile. Hier kommt ein Bus aktuell höchstens alle paar Stunden vorbei.

Doch was wäre, wenn ein autonomes Fahrzeug dann kommt, wenn man es gerade braucht?

Es ist also kein Zufall, dass man sich hier seit Jahren Gedanken macht – und neue Konzepte ausprobiert. Seit 2017 fährt im ländlichen Bad ein autonomer Bus auf öffentlichen Straßen, zuletzt waren es sogar drei.

Einer pendelte auf der Linie zwischen Bahnhof und Ort hin und her, zwei weitere wurden zur Erprobung solcher Shuttles im Bedarfsverkehr („on demand“) seit Mai 2022 in einem vom Bund geförderten Projekt namens HEAL eingesetzt. Die Verbindung von Bahn, autonomen Linien- sowie individuellem Bedarfsverkehr ist nach wie vor einzigartig.

Die Projektphase von HEAL ist nun vorbei. Jetzt geht der autonome Bedarfsverkehr in den Regelbetrieb über – ein weiteres Novum. Im Bad Birnbacher Artrium stellten die Projektverantwortlichen die wichtigsten Erkenntnisse im Beisein von Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter und Bahnchef Klaus-Dieter Josel vor. Christian Bernreiter zeigte sich vom Leuchtturmcharakter des Projekts überzeugt und stellte eine weitere Förderung durch den Freistaat in Aussicht: „Der Erfolg des autonomen Busprojekts HEAL ist beeindruckend. Das Projekt wird wichtige Erkenntnisse aus der Praxis zur Verkehrssicherheit, Effizienz und Emissionsreduktion durch vernetzte automatisierte Fahrzeuge liefern.

Bürgermeisterin Dagmar Feicht, Verkehrsminister Christian Bernreiter und MdL Martin Wagle

Für Bad Birnbach geht es insbesondere auch um den demographischen Wandel und den Aspekt, Mobilität in die einzelnen Ortsteile zu bringen. Der Freistaat Bayern wird auch weiterhin mit Rat und Tat zur Seite stehen. So wäre seitens des Freistaats eine übergangsweise Förderung aus dem weiterentwickelten Förderprogramm ErNa grundsätzlich möglich. Ein entsprechender Antrag wurde auch bereits bei der Regierung von Niederbayern gestellt“, sagte der Minister und kam damit der Bitte von Bürgermeisterin Dagmar Feicht, Landrat Michael Fahmüller und MdL Martin Wagle entgegen, einen Regelbetrieb zu ermöglichen.

Freuen sich über den Projektabschluss und den Start in den Regelbetrieb: Stefan Kretzschmar von der DB Regio, Bahn-Chef Klaus-Dieter Josel, Bürgermeisterin Dagmar Feicht, Verkehrsminister Christian Bernreiter, MdL Martin Wagle, Patricia von Mallek von der LMU und Landrat Michael Fahmüller. (

Dagmar Feicht skizzierte die wichtigsten Meilensteine und Hürden, die genommen wurden. 2017 mussten erst einmal Fragen wie nach einem geeigneten Zulassungsverfahren und mehr geklärt werden. „Es hat ein paar graue Haare gekostet“, attestierte sie. Doch man machte Fortschritte. Seit Oktober 2019 ist die „letzte Meile“ zum rund zwei Kilometer entfernten Bahnhof durch einen autonomen Linienbetrieb geschlossen.

2022 konnten dann die ersten Bedarfsfahrten gebucht werden. „Der ländliche Raum steht im Fokus“, machte Bayerns Bahn-Chef Klaus-Dieter Josel deutlich. Hier stehe man vor großen Herausforderungen, denn auch bei Busfahrern herrsche Fachkräftemangel. „Autonomes Fahren on demand kann eine Lösung sein“, meinte er. Ähnlich sah es MdL Martin Wagle, der von vernetzter Mobilität sprach. Das autonome Angebot müsse aber schneller und attraktiv für alle Generationen gestaltet werden. Er zeigte sich aber zuversichtlich: „Wir haben ja schon manchen gordischen Knoten durchschlagen.

Jetzt geht es darum, in die Fläche zu kommen“. Wie Stefan Kretzschmar von der DB Regio erläuterte, wurden seit 2017 trotz CoronaUnterbrechung auf der Linie 7015 rund 80.000 Passagiere befördert, dazu kommen 7.800 Passagiere im Bedarfsmodus bei 5031 Fahrten in den 13 Projektmonaten. Insgesamt wurden in Bad Birnbach seit 2017 85.000 Kilometer autonom zurückgelegt. Die App „Wohin Du willst“, mit der die Fahrten gebucht werden können, zähle aktuell 1200 aktive Nutzer. HEAL wurde eng von Wissenschaftlern der Ludwig-Maximilians-Universität begleitet, um auch Verbesserungspotentiale zu erkennen. Dass es die gibt, machte Patricia von Mallek von der LMU deutlich. So empfand ein Teil der Nutzer die Buchung per App als zu kompliziert, einigen war auch das Angebot noch nicht flexibel genug.

Durch 20 digitale Haltestellen wurden die wichtigsten Anlaufpunkte im Ort aber offenbar gut abgebildet. Insgesamt sprachen rund zwei Drittel der Befragten eine klare Weiterempfehlungsabsicht aus. Und: „Die Ausweitung auf weitere Ortsteile ist gewünscht“, so von Mallek. Das kommt den Anliegen von Landrat Michael Fahmüller und Bürgermeisterin Dagmar Feicht entgegen. „Wir müssen in die Fläche“, waren sich die beiden einig. In weiteren Projekten peilt man gemeinsam mit den bewährten Partnern nun die nächsten Meilensteine an, und zwar mit höherer Geschwindigkeit und autonomen Fahrzeugen Level 4.Mit Erreichen dieser technischen Ausbaustufe wäre entgegen der aktuellen Version keine Überwachung durch einen Operator im Fahrzeug mehr notwendig.

Mehr Informationen zum ländlichen Bad, Bad Birnbach https://www.badbirnbach.de/

Quelle und Fotos: Bad Birnbach

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