
Inhaltsübersicht
Łódź, von einer schmutzigen Industriestadt zur interessanten, lebendigen Stadt mit umfunktionierten Fabrikgebäuden, imposanten Palästen und wunderschönen Wandgemälden, Manufaktura, Residenz – Poznański Palast, Karl Scheiblers Industrielles Imperium und EC1

Meine Reise hatte mich nach Łódź, der Stadt, die in der gleichnamigen Woiwodschaft liegt, geführt. Ausgesprochen wird Łódź wegen dem durchgestrichenen Ł nur otsch. Bekannt wurde Łódź durch das Lied von Vicky Leandros „Theo, wir fahr’n nach Lodz“. Łódź ist die drittgrößte Stadt in Polen.
Umgestaltete historische Fabrikgebäude

Bei unserer Stadtführung durch Łódź wurde uns gezeigt, wie die Stadt die alten historischen Fabrikgebäude aus rotem Backstein umfunktionierte. Sie wurden zu einem tollen Hotel, Einkaufszentren, Museen, Kneipen, Bars und Restaurants umgebaut. Ich mag diese Gebäude aus roten Bachstein.
Manufaktura – Wahrzeichen von Łódź

Die Manufaktura ist eines der bekanntesten postindustriellen Gebäude aus rotem Backstein. Es ist zum Wahrzeichen von Łódź geworden. Diese große Anlage dient heute als Zentrum für Unterhaltung, Kunst und Kultur.


Die Manufaktura bietet Attraktionen für Menschen aller Altersgruppen und ist daher ein beliebter Treffpunkt für die ganze Familie. Liebhaber der guten Küche und nächtlicher Unterhaltung kommen in dem Komplex voll auf ihre Kosten. Dies alles vor dem Hintergrund einer beeindruckenden Industriearchitektur, die im gesamten Komplex mit verschiedenen Erscheinungsformen der Modernität verbunden ist.

Izrael Kalmanowicz Poznański, der frühere Besitzer des ehemaligen Industriekomplexes, gilt als der größte industrielle Lodzer jüdischer Herkunft. Er begann seine Karriere mit dem Betrieb eines Textilladens auf dem Alten Markt und wurde innerhalb weniger Jahre zum Schöpfer des zweiten Fabrikvermögens in Łódź.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann Poznański an der Kreuzung der Straßen Ogrodowa und Zachodnia eine Fabrik zu bauen. Diese wurden zu den größten Fabrikgebäuden in der Stadt. Das Gelände der ehemaligen Textilfabrik ist ein Komplex, bei dem bis heute alle Gebäude erhalten sind, die den gesamten Zyklus der Textilproduktion abbilden, von der Spinnerei über die Weberei bis zur Veredelung.

In der Nachbarschaft stand der Palast von Izrael Poznański, der sich durch eine üppige Fassade und reichen Innenräume auszeichnete. Das Imperium umfasste auch Arbeiterhäuser und Paläste der Nachkommen von Maurycy und Karol Poznański. Auch Poznańskis Fabrik wurde nach dem Zweiten Weltkrieg unter staatliche Verwaltung gestellt und funktionierte bis in die 1990er Jahre unter dem Namen „Poltex“.

Auf dem heutigen Gebiet des Industriekomplexes befindet sich derzeit das Einkaufs-, Unterhaltungs- und Kulturzentrum Manufaktura. Im Palast von Izrael Poznański befindet sich das Museum der Stadt Łódź, der Palast von Maurycy Poznański ist Sitz des Kunstmuseums und die Musikhochschule befindet sich im Palast von Karol Poznański.

Der Investor, der die alte Atmosphäre und Tradition mit der Moderne verbinden wollte, gab dem Gebäude den Namen „Manufaktura“ und achtete gleichzeitig auf eine möglichst funktionale Architektur. Die Manufaktura in Łódź hat sich als zentraler Punkt der Stadt etabliert und ist heute ihr Aushängeschild.

Für die Besucher von Manufaktura sind auch eine Bowlingbahn, eine Kletterwand, Laser-Paintball, eine Tanzschule, Billard, ein Fitnessraum und ein Experymentarium ganzjährig geöffnet. Manufaktura und die hier organisierten Veranstaltungen sind eine gute Gelegenheit, sich mit Freunden zu treffen. Es finden Konzerte und verschiedene Kultur- und Unterhaltungsveranstaltungen statt.

Besonders abends bietet sie eine ganz besondere Atmosphäre, was durch die Beleuchtung erzielt wird. Das Riesenrad leuchtet und das historische Kinderkarussell dreht seine Runden. Wasserstiele sind wunderschön anzusehen. Bei meinem Besuch gab es ein Lifemusik-Konzert.
Residenz – Poznański Palast

Wir besuchten eines der interessantesten Museen in Łódź, welches sich in einer repräsentativen Residenz der Familie Izrael K. Poznański befindet. Die Familie Poznański war eines der wohlhabendsten Fabrikanten aus dem 19. Jahrhundert in Łódź.


Die Ausstellung bietet eine eindrucksvolle Darstellung von dem Fabrikantenhaus aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Sie zeigt die verschiedenen Wohnräume der Familie.

Eine weitere Ausstellung zeigt die Geschichte der Lodzer Industrie, eine Reihe von Räumen für Ausstellungen sind der mit Łódź verbundenen Künstler gewidmet, mit Erinnerungsstücken von Artur Rubinstein, Julian Tuwim und Marek Edelman.

2017 wurde im Untergeschoss des Palastes eine Dauerausstellung über das multikulturelle Łódź unter dem Titel „Im Gemeinsamen Hof – Łódź Schmelztiegel der Kulturen und Konfessionen“ („Na wspólnym podwórku – łódzki tygiel kultur i wyznań“) eröffnet. Die Ausstellung präsentiert grundlegendes Wissen über die Vergangenheit der Stadt, über Łódź bis 1939. Der Multikulturalismus der Stadt wird durch gesammelte Exponate, Archivfotos, Arrangement- und Szenografie-Lösungen sowie Inhalte audiovisueller Inhalte veranschaulicht.

In den historischen Innenräumen finden Konzerte, Vernissagen, Bälle und Bankette statt. Die Palastgalerie ist berühmt für die temporären Ausstellungen der bekanntesten Künstler der Welt, die auf ihrer zweistöckigen Ausstellungsfläche präsentiert werden: Salvador Dali, Joan Miró, Marc Chagall, Max Ernst.

Księży Młyn – Karl Scheiblers Industrielles Imperium

Karl Wilhelm Scheibler gilt als eine der wichtigsten Persönlichkeiten in der Geschichte von Łódź. Der rheinische Hersteller baute das größte Fabrikimperium nicht nur in der Stadt, sondern auch im gesamten Königreich Polen. Scheiblers Geschichte begann mit dem Grundstück von Wodny Rynek, wo er den ersten Fabrikkomplex – Centrala und seinen Palast errichtete. Von hier aus begann eine große territoriale Expansion, die in der Spitzenzeit die Gebiete zwischen den Przędzalniana und Piotrkowska Straßen umfasste.


Karl Scheibler war einer der ersten Industriellen, der sich neben der finanziellen Dimension auch um die Lebensbedingungen seiner Mitarbeiter kümmerte. Dank ihm wurde Księży Młyn gegründet, die größte Arbeiterwohnsiedlung in Łódź, eine Stadt in der Stadt, Krankenhäuser, eine Feuerwache und später, ein Kraftwerk, ein Gaswerk oder Kirchen verschiedener Konfessionen.

In der Nachbarschaft wurde der Herbst-Palast vom Schwiegersohn des Herstellers und dem späteren Verwalter des Komplexes gebaut. Die in den 1920er Jahren mit den benachbarten Grohman-Werken verbundenen Betriebe blieben bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs in den Händen der Familie Grohman. Nach 1945 war der Betrieb als Uniontex Fabrik tätig.

Gegenwärtig haben die Gebäude von Scheiblers Imperium unterschiedliche Funktionen. Im Palast des Fabrikanten befindet sich das Museum für Kinematographie, in den revitalisierten Gebäuden der ehemaligen Spinnerei sind Loftapartments, zahlreiche Restaurants und Wohnungen. Die Arbeiterwohnsiedlung wird renoviert, hat aber immer noch eine Wohnfunktion.
Zentrum für Wissenschaft und Technik EC1

Das erste Stadt-Kraftwerk in Łódź besteht aus zwei Blöcken, dem EC1 Wschód der 1907 eröffnet wurde und der EC1 Zachód wurde in der Zwischenkriegszeit angebaut. Nach dem Krieg wurde Elektrownia Łódzka, das Lodzer Kraftwerk in ein Heizkraftwerk umgewandelt und diente den Bewohnern von Łódź bis Anfang des 21. Jahrhunderts. 2008 begann die Revitalisierung des historischen Gebäudes im Neuen Zentrum von Łódź.


Derzeit gibt es dort das modernste Planetarium in Polen, das Nationale Zentrum für Filmkultur (Narodowe Centrum Kultury Filmowej), das Zentrum für Comic und Interaktive Erzählung (Centrum Komiksu i Narracji Interaktywnej) von den Organisatoren des Internationalen Festivals für Comics und Spiele (Międzynarodowy Festiwal Komiksu i Gier) sowie Konferenzräume und Veranstaltungssäle, darunter die größte Jugendstilhalle der Maschinen auf 1360 qm.

Besonders sehenswert war die, von R. Wolf in Magdeburg-Buckau hergestellte, Dampfmaschine. Diese war Hauptdarstellerin im Film „Das gelobte Land“ von Ziemia Obiecana.
Nationale Zentrum für Filmkultur – Ausstellung „Kino Polonia“

Ich besuchte das Nationale Zentrum für Filmkultur, eine Kultureinrichtung im EC1 Łódź. Dies befasst sich mit der Popularisierung der Filmkultur. Das Zentrum wird gemeinsam von der Stadt Łódź und dem Ministerium für Kultur und Nationales Erbe betrieben.

Im Oktober 2023 wurden die ersten beiden Teile der entstehenden Einrichtung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht: die Dauerausstellungen „Kino Polonia“ und „Materia kina“.

Die Ausstellung „Kino Polonia“ zeigt einen Querschnitt durch über 120 Jahre polnisches Kino. Auf einer Fläche von fast 1.500 Quadratmetern konnte ich Exponate und Multimediastände kennen lernen, die die Geschichte des polnischen Kinos von der Vorgeschichte bis zur Gegenwart präsentieren. Diese Geschichte wird durch das Prisma von Ereignissen und Personen erzählt, die den größten Beitrag zur Entwicklung der polnischen Kinematografie geleistet und dazu beigetragen haben, dass die polnische Filmkultur heute zu den am meisten geschätzten der Welt gehört. Bei meinem Besuch auf der Reise durch die Ausstellung „Kino Polonia“ wurde ich von Regisseuren, Drehbuchautoren, Szenenbildnern oder Filmproduzenten begleitet.

Das Nationale Zentrum für Filmkultur und die Ausstellung „Kino Polonia“ umfassen rund 50 Multimediastände, über 5 Stunden Filmmaterial in fast 50 Projektionen, 100 Kostüme aus den berühmtesten einheimischen Produktionen und Hunderte von anderen Exponaten, Requisiten, Plakaten, Ausrüstungen oder 500 Quadratmeter großformatige Drucke. „Kino Polonia“ ist nicht nur die größte Ausstellung zur Geschichte des polnischen Kinos, die jemals geschaffen wurde. Die Leistung der Ausstellung ist noch viel größer – nirgendwo auf der Welt wurde eine so große Ausstellung über die nationale Kinematographie geschaffen.
Die Ulica Piotrkowska – Petrikauer Straße


Die Ulica Piotrkowska, auf Deutsch Petrikauer Straße ist eine über vier Kilometer Fußgängerstraße in Łódź, sie ist eine der längsten Einkaufsstraßen Europas. Beim Flanieren auf der Straße beeindruckten mich die wunderschönen Gebäude und Paläste, mit prächtigen Fassaden aus Stilen, die zwischen 1850 und 1900 entstanden.

Seit 1999 wurde die Ulica Piotrkowska mit Bronzeskulpturen geschmückt, die an bekannte Łódźer Persönlichkeiten erinnern. Der Schriftsteller Julian Tuwim, Sitzbild von Julian Tuwim.

So auch der Flügel mit dem Pianisten Artur Rubinstein vor dem Gebäude in Łódź, wo die Familie Rubinstein lebte. Das Rubinstein-Denkmal wurde am 23. September 2000 enthüllt und damit der Künstler geehrt.

Gegenüber dem Denkmal befindet sich ein sehr interessantes Gebäude mit Wandmalereien.

Eindrucksvoll sind die Sterne auf der berühmten Ulica Piotrkowska in Łódź, die die „Allee der Sterne“ bilden. Die Allee wurde 1998 nach dem Vorbild Walk of Fame in Los Angeles ins Leben gerufen und ehrt seither herausragende Persönlichkeiten der polnischen und internationalen Filmkunst darunter Regisseure, Schauspieler und Kameraleute.

Er ist mit fast 17 000 Pflastersteinen mit Gusseisenplatten mit den Vor- und Nachnamen gepflastert. Die Messing- und Bronze-Sterne im Straßenpflaster erinnern an berühmte Namen wie Roman Polański, Andrzej Wajda, Krzysztof Zanussi und Zbigniew Cybulski. Weitere Informationen zu den Stars und der Geschichte der Straße finden Sie direkt beim Tourismusportal von Łódź.

Mehr Information lodz.travel

Ich danke Magdalena Korzeniowska-Beckmann vom Polnischen Fremdenverkehrsamt und den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen von Łódzka Organizacja Turystyczna für die Unterstützung und den tollen Tagen in Lodz.
Bilder Gabriele Wilms




















































































