Mittelalterlichen Kriminalmuseum im Corona-Jahr sehr beliebt

Rothenburg ob der Tauber mit dem Mittelalterlichen Kriminalmuseum zählt auch im Corona-Jahr zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten in Deutschland.

Idyllisch, beschaulich, romantisch. Rothenburg ob der Tauber ist der Prototyp eines mittelalterlichen Städtchens. Mitten in dieser Postkartenidylle der ehemaligen Reichsstadt ist ein Museum beheimatet, das weltweit einen einzigartigen Ruf bei denjenigen genießt, die sich für Rechtsprechung und Kriminalgeschichte interessieren: Das Mittelalterliche Kriminalmuseum in Rothenburg ob der Tauber – ein Museum, das sich auch von einer weltweiten Pandemie nicht unterkriegen lässt. Im Gegenteil: Das Haus feiert 2020 sein 100-jähriges Jubiläum und lockte in Vor-Corona-Zeiten als Sightseeing-Magnet jährlich über 110.000 Besucherinnen und Besucher nach Rothenburg.

Mit mehr als 50.000 Exponaten aus 1.000 Jahren Rechtsgeschichte widmet es sich den historischen Grundlagen der europäischen Rechtsordnung und zählt mit der Eisernen Jungfrau (Iron Maiden), die den Dracula-Autor Bram Stoker inspirierte, bei in- und ausländischen Besuchern zu den bedeutendsten und beliebtesten kulturhistorischen Museen.

Es handelt sich um Deutschlands erstes und einziges Rechtskundemuseum. Zahlreiche Folterinstrumente und Geräte zum Vollzug von Leibes- und Lebensstrafen werden ebenso gezeigt wie Werkzeuge zum Vollzug von Schand- und Ehrenstrafen. Sie finden in der Ausstellung auch Urkunden, Bücher, Grafiken und Siegel. Ein Besuch ist sehr lohnenswert, aber für zart besaitete vielleicht etwas gruselig.

In einer jüngst veröffentlichten Umfrage der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT) unter internationalen Gästen belegte Rothenburg ob der Tauber – direkt hinter Schloss Neuschwanstein und dem historischen Dresden – im Corona-Jahr sogar Platz 5 im Ranking der TOP 100 der beliebtesten Destinationen in Deutschland.

Europas größtes Rechtskundemuseum – eine starke Kulturmarke Eine erste Zwischenbilanz 2020, die das Museum jetzt veröffentlicht hat, belegt, wie sich Kulturinstitutionen trotz Corona neu aufstellen können. Bereits Ende Mai, nur wenige Wochen nach dem Ende des ersten Lockdowns konnte das Museum schon den 1.000. Besucher begrüßen. Zum 02. November musste das Museum aufgrund der aktuellen Corona-Maßnahmen seine Türen erneut schließen. Bis dahin zählt es stolze 67.000 Besucher. Museumsdirektor Dr. Markus Hirte zeigt sich mehr als zufrieden: „Wir haben schon jetzt in diesem außergewöhnlichen Jahr ein besseres Ergebnis erreicht als manch anderes Museum in den großen Kulturmetropolen.“

Völlig gegen den Trend hat sich das Haus als Hoffnungsträger der Stadt ausgesprochen positiv entwickelt. In der gerade durchgeführten Besucherumfrage des Kriminalmuseums nennen 75% der Besucher das Museum selbst als Anlass für ihren Rothenburg-Besuch. Die weit überwiegende Mehrheit der Befragten war selbst als Kind schon im Museum und hat jetzt mit den eigenen Kindern erneut das Museum besucht. Kinder und Familien machen seit der Wiedereröffnung knapp die Hälfte der Besucher aus.

Im Paradies fing alles an: Menschheitsgeschichte und Rechtsgeschichte
Die Jubiläumsausstellung schildert die Beziehung zwischen Mensch und Tier – verlängert bis Jahresende 2021

Der Sündenfall war auch der erste ‚Rechtsfall‘: die Schlange als Verführerin und Adam und Eva als verführte und überführte Gesetzesbrecher einer göttlichen Ordnung. Dieses Ur-Ereignis formulierte den Grundton für spätere Entwicklungen. Die Beziehung von Mensch und Tier blieb eine ewig freudvoll-leidvolle Geschichte. Die Jubiläumsausstellung – ein wahrer Besuchermagnet auch in dieser schwierigen Zeit – wird auch nach der Wiedereröffnung noch bis Ende 2021 zu sehen sein. Sie beleuchtet erstmals in Europa das wechselvolle und vielgestaltige (Spannungs-) Verhältnis von Mensch und Tier im Kontext von Recht und Moral, Vergehen und Strafe, Besitz und Nutzen. Sie wirft einen befremdlichen Blick auf Tierprozesse und Tierstrafen, auf Rattenfänger und Hexenglauben, Zauberei und Teufelspakt und schlägt gleichzeitig einen Bogen zu aktuellen Debatten rund um Tiere und Tierschutz.

Darstellung einer Ehrenstrafe, Historische Wochenschrift, 19. Jh. © MKM

„Mit der aktuellen Sonderausstellung »Hund und Katz – Wolf und Spatz« – Tiere in der Rechtsgeschichte und aufgrund unserer hohen Hygiene- und Sicherheitsstandards empfiehlt sich das Kriminalmuseum für die kommenden Wintermonate wieder als ein sicheres Ausflugs- und Reiseziel für die ganze Familie“, so Dr. Markus Hirte.

Holzschnitt mit Bär, Frankfurt a. M., 1550 © MKM

Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Andreas Deutsch (Heidelberger Akademie der Wissenschaften) und Prof. Dr. Wolfgang Schild (Bielefeld).

Begleitband zur Sonderausstellung 2020/21© MKM

Zur Ausstellung »Hund und Katz – Wolf und Spatz« Tiere in der Rechtsgeschichte ist im EOS Verlag ein reich bebilderte Begleitband erschienen (ISBN 978-3-8306-7989-9, Preis 19.95 Euro).

Tägliche Öffnungszeiten:
November
Aufgrund der neu beschlossenen Corona-Maßnahmen schließt das Museum ab Montag, 2. November 2020.
Dezember
Montag bis Freitag: 10.00 bis 16.00 Uhr
Adventswochenenden: 10.00 bis 18.00 Uhr
Heilig Abend: 10.00 bis 13.00 Uhr
Der letzte Einlass ist immer 45 Minuten vor Schließung.
Die Tickets können direkt vor Ort an der Kasse oder online gekauft werden.
Corona-Regeln:
Die Ausstellung erstreckt sich über zwei Gebäude auf einer Fläche von über 2.500 Quadratmetern. Es dürfen sich nicht mehr als 100 Personen gleichzeitig im Museum aufhalten. Bitte an den Abstand von 1,5 Meter und an die Mund-Nasen-Bedeckung denken!
Link zum Museum: https://www.kriminalmuseum.eu

Fotos Museum und Gabriele Wilms

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Gabriele Wilms
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Seit vielen Jahren beschäftige ich mich intensiv mit der Tätigkeit als Reisejournalistin und Bloggerin. Ich betreue Toureal als verantwortliche Chefredakteurin. Gut ein Drittel des Jahres bin ich daher für unser Reisemagazin unterwegs in den schönsten Hotels, Regionen Europas und weltweit.

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