Sightseeing mal anders – auf alle Felle

Hans Eder nimmt Urlauber auf Skitour mit durch sein Leben. Der Bauer erzählt von Milchkühen und Weideland und schärft das Empfinden für Körper, Geist und Natur

Skifahren, Essen, Schlafen und das jeden Tag. Was für die einen Erfüllung ist, reicht anderen Winterurlaubern noch lange nicht. Sie wollen mehr wissen als den Namen der Rezeptionistin, wollen die persönlichen Geschichten der Einheimischen erfahren und neue Denkanstöße mit nach Hause nehmen. In Hochfilzen, wo man bewusst duzt, geht das leicht. Besonders mit Bauer und Gastgeber Hans Eder (52). Wer mit ihm zur Skitour aufbricht, kommt vielleicht aus der Puste – und sicher zu sich selbst.

Neun Uhr morgens, minus zwei Grad, die Sonne kämpft noch gegen die Wolken an. Auf der Dorfloipe, direkt neben der Nordic Academy, dem Ausrüstungsverleih im Fairhotel Hochfilzen, drehen die ersten Langläufer ihre Runden. In der Ferne die Buchensteinwand (1451 m), das heutige Ziel. Niemand aus der Gruppe stand bisher auf Tourenski. Also zuerst der Check: Skier, Felle, Stöcke, Wasserflasche, Sonnenbrille und Helm – alles dabei. Guide Hans Eder erklärt, wie man die Felle aufzieht, wie die Doppelbindung der Skier funktioniert und stellt die Stöcke der Teilnehmer auf die richtige Länge ein.

„Jetzt einfach drauflos schlurfen“, lautet die knappe Anweisung. Hans Eder will das Empfinden schärfen. „Durch lange Erklärungen schaltet ihr euren Kopf ein und den Körper aus“, motiviert er und duzt bewusst. Ab 1000 Meter Höhe begegne man sich ohnehin freundschaftlich. So breche das Eis schneller.

Hans hat Recht. Skitourengehen ist einfach. Einfach gleiten und die Füße nicht anheben, das spart Kraft. Versteht sich von selbst. Dennoch gibt er einen hilfreichen Tipp: „Lauft gleichmäßig im Takt eures Körpers. So haltet ihr länger durch.“

Die Gruppe formiert sich Richtung Buchensteinwand. Die ersten schnaufen, obwohl es noch nicht einmal bergauf geht. Eine erste kurze Trinkpause gibt’s vor Hans‘ Bauernhof, der schon seit dem 14. Jahrhundert im Familienbesitz ist. Hier hat er früh morgens bereits seine 40 Heumilchkühe gemolken – so wie an jedem Tag. Es ist ein Knochenjob. Für zehn Liter Milch bekommt der Bauer drei Euro, so viel wie er für ein Sodazitron an der Bar im Fairhotel Hochfilzen verlangt. Er lacht und nimmt es locker: „Ich bin mit der Landwirtschaft aufgewachsen, das ist mein Leben.“

Weiter geht’s. Die Skitourengruppe steht am Fuße der Buchensteinwand und blickt erschrocken nach oben, atmet durch und läuft im Zickzack die ersten 100 Höhenmeter hinauf. Der eine schneller, der andere langsamer. Hans pendelt leichtfüßig zwischen den Teilnehmern, gibt Tipps und ermutigt. Zwischendurch zeigt er die Weideflächen, auf denen seine Kühe im Sommer grasen. Und erzählt von seiner Idee, hier ein Chaletdorf aufzubauen: „Aber mir wurde klar, dass ein solches Klientel nicht zu mir passt. Ich bin eher der Natur verbunden, nicht dem Luxus“, sagt er. So eröffnete Hans 2013 das erste Passiv-Energie-Hotel Tirols, das 90 Prozent der CO2- Ausstöße im Vergleich zu herkömmlichen Hotels einspart.

Durch den Nadelwald, der Familie Eder schon mehr als 500 Jahre gehört, geht es weiter. „Mit meinem Vater war ich hier früher sehr oft, er hat mir die Försterarbeit beigebracht“, erzählt Hans. Denn ja, Hans Eder ist nicht nur Bauer und Hotelier, sondern auch Förster, Familienvater und Opa, zudem im Vorstand des Tourismusverbands und im Gemeinderat aktiv. Um runter zukommen geht er regelmäßig auf Tour. „Ich laufe hoch – und bin oben einfach nur glücklich“, erzählt Hans. Und strahlt. „Durch die Handys und den Alltagsstress haben viele verlernt, im Hier und Jetzt zu sein. Das braucht man aber für die eigene Erdung. Natur hilft da ungemein. Das versuche ich, meinen Gästen nahe zubringen.“

Nächster Stopp: Die Reittalalm (1250 m). Im Frühjahr schickt Hans seine grasenden Vierbeiner zur Sommerfrische dorthin. Jetzt ist sie tiefverschneit. Die Eingangstüre sieht man gerade noch so. Hans steigt schnurstracks mit seinen Skiern auf das Hausdach, das mit einem guten Meter Schnee bedeckt ist. „Kommt hoch, hier ist die Aussicht Wahnsinn“, ruft er lachend. Doch nur ein Teilnehmer traut sich. Die anderen bleiben unten und bereiten sich auf den letzten Anstieg Richtung Jakobskreuz vor, das auf der Buchensteinwand thront und das größte begehbare Gipfelkreuz der Welt ist.

Die Kraft schwindet. Es wird steiler. Jeder konzentriert sich auf den nächsten Schritt. Während Hans‘ Gäste um Luft ringen, erzählt er: „In meinen Topzeiten habe ich 30 Minuten für den Weg hoch und runter gebraucht.“ Spätestens jetzt packt einen der Ehrgeiz. Denn schon zwei Stunden Gehzeit liegen hinter der Gruppe. Oben angekommen überwältigt der Blick über die Kitzbüheler Alpen. Der Kraftakt hat sich gelohnt. Auf der Piste oder im Tiefschnee abfahren? Jeder, wie er mag. Nach zehn Minuten stehen alle wieder unten im Tal, stolz, geschafft – und mit freiem Kopf.

Skitour

Hans Eder bietet die Skitour allen Urlaubern kostenlos am 11. März 2020 (wetterabhängig). Zudem können Gäste des Fairhotels Hochfilzen weitere Termine anfragen und erhalten in der hauseigenen Nordic Academy zehn Prozent Rabatt auf das Material.

Über das Fairhotel Hochfilzen

Fair zur Region, fair für den Gast – das ist das Motto des Fairhotels Hochfilzen. Als erstes Passivhotel Tirols verursacht es rund 90 Prozent weniger CO2 als herkömmliche Betriebe. Ein Herz für die Umwelt zu haben bedeutet für Hotelchef Hans Eder auch ein Herz für die Region zu haben, deshalb unterstützt er die örtlichen Gastronomen, Skischulen und Landwirte. Dank Markus Förmer, dem Betreiber des hauseigenen Sportzentrums Nordic Academy und Experte für mentale Fitness, lernen Gäste des Fairhotels Hochfilzen die atemberaubende Region in den Kitzbüheler Alpen hautnah kennen und testen dabei nicht nur ihre körperlichen Fähigkeiten, sondern auch die geistigen.

Weiter Infos: Fairhotel Hochfilzen, Kulturhausstraße 1, 6395 Hochfilzen, Österreich, Tel.: +43 (0)5359 / 234 56, info@fairhotel-hochfilzen.at, www.fairhotel-hochfilzen.at

Quelle und Fotos: Fairhotel Hochfilzen

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Gabriele Wilms
Über Gabriele Wilms 1001 Artikel
Seit vielen Jahren beschäftige ich mich intensiv mit der Tätigkeit als Reisejournalistin und Bloggerin. Ich betreue Toureal als verantwortliche Chefredakteurin. Gut ein Drittel des Jahres bin ich daher für unser Reisemagazin unterwegs in den schönsten Hotels, Regionen Europas und weltweit.

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