Douro-Tal – Heimat des Portweines

Bei unserer Flusskreuzfahrt durch das Douro-Tal haben wir den Portwein kennen gelernt. Seitdem sind wir absolute Liebhaber des leckeren portugiesischen Tropfens, der entlang des zauberhaften Douro´s angebaut wird.

Unser Schiff, die MS Douro Cruiser hatte uns an dem Schiffsanleger in Vila Nova de Gaia empfangen. Nach Hygieneschleuse mit Desinfektion und Fieber messen, ging es auf die MS Douro Serenty zum Corona-Schnelltest. Nach dem Negativ-Test durften wir die MS Douro Cruiser betreten und unsere schöne Balkonkabine beziehen. Überall an Bord gab es Desinfektions-Spender und wenn man sich auf dem Schiff bewegte bestand ebenfalls Maskenpflicht.

Das Schiff lag die erste Nacht in Gaia, wie Vila Nova de Gaia kurz genannt wird. Die Stadt liegt gegenüber von Porto, am anderen Flussufer des Douro. Gaia hat rund 330.000 Einwohner und ist das Zentrum der Portweinherstellung. Ganz berühmt ist die historische Weinkellerei Sandeman, die den Portwein hier reifen lässt. Sie befindet sich nur wenige Schritte vom Schiffsanleger entfernt.

Nach dem leckeren Abendessen an Bord nutzten wir den lauen Sommerabend, um die wunderschön beleuchtete Stadt Gaia zu erkunden. Zu Fuß ging es hinauf zu der toll beleuchteten Festung, die heute noch vom Militär genutzt wird.

Von hier überspannt der obere Teil der Doppeleisenbrücke den Douro nach Porto, auf der die Straßenbahn langsam von Gaia nach Porto fährt. Von der Brücke aus konnten wir einen fantastischen Blick auf die Douro-Mündung in den Atlantik genießen und dies natürlich auf dem Foto festhalten. Porto und Gaia sind wunderbar beleuchtet, einfach traumhaft schön.

Zum Abschluss unserer Entdeckungstour besuchten wir ein Lokal an der Uferpromenade und ließen den Abend mit unserem ersten Gläschen Portwein und fantastischen Blick auf das nächtlich beleuchtete Porto ausklingen.

Porto und die gegenüberliegenden Schwesterstadt Gaia verbinden mehrere Brücken über den Douro, jedoch ist die Doppeleisenbrücke, die Bogenbrücke Dom Luís I, im Herzen von Porto, besonders beeindruckend. So verbindet die Brücke das geschäftige Altstadtviertel Ribeira mit der Stadtgemeinde Vila Nova de Gaia, die durch die vielen Portwein-Destillerien bekannt ist. Unten kann man die Brücke zu Fuß oder mit einem Fahrzeug überqueren, oben in schwindeligen 60 Metern Höhe mit der Straßenbahn. Ein beeindruckendes Bauwerk, das nachts besonders schön beleuchtet wird. Von der Brücke genießt man einen atemberaubenden Blick auf die mehrstöckigen Ebenen der Altstadt von Porto, den Douro mit den farbenfrohen historischen Booten und die traditionellen Portweinlager.

Die Brücke wurde im Jahr 1886 erbaut und war mit insgesamt 385 Meter Länge die längste Bogenbrücke ihrer Zeit. Sie wiegt über 3.000 Tonnen. Damals war sie die größte schmiedeeiserne Bogenbrücke der Welt. Architektonisch beeindruckend ist, dass der untere Teil, auf dem Autos, Busse, Motorräder und Fahrräder fahren, komplett an der Eisenbahnbrücke hängt. Das Design der Brücke stammt von dem deutschen Architekten Téophile Seyrig, ein Schüler von Alexandre Gustave Eiffel. Namensgeber war der portugiesische König Ludwig I, der die Ehre hatte, das beeindruckende Bauwerk aus der Ferne einzuweihen, denn er besuchte sie kein einziges Mal. Heute die Brücke Dom Luís I eine der wichtigsten Wahrzeichen der Stadt Porto.

Es wurde eine Seilbahn gebaut, mit der man in wenigen Minuten vom Portwein-Viertel Vila Nova de Gaia den oberen Level der Brücke erreichen kann. Mutige Portugieser springen im Sommer an einem Bungee-Seil befestigt von der Brücke.

Der bekannte Fluss Douro entspringt in der spanischen Provinz Soria auf 2080 Meter Höhe und fließt in Nordspanien westwärts bis nach Salto de Castro, wo er die portugiesische Grenze erreicht. Auf 112 km Länge bildet er die spanisch-portugiesischen Grenze in Richtung Süden bis nach Barca d’Alva. Dann fließt der Douro quer durch Nordportugal nach Westen, ehe er nach rund 213 km bei Porto in den Atlantischen Ozean mündet.

Am besten kann man das Douro-Tal mit einer Flusskreuzfahrt kennenlernen und genau das hatten wir mit der MS Douro Cruiser gemacht. Wir sind in Porto gestartet, um genau diese rund 200 Km das Douro-Tal zu erkunden.

Das Douro-Tal gehört zu den schönsten Landschaften Portugals und könnte auch als Tal der Verzauberung bezeichnet werden. Der Douro ist der drittlängste Fluss der iberischen Halbinsel.

Führung durch die Weinkellerei Sandeman

In Vila Nova de Gaia findet man die zahlreichen Portweinkellereien, die bekannteste ist wohl die Weinkellerei Sandeman in Vila Nova de Gaia, die wir am Ende unserer Stadtführung besuchten. Nach der interessanten Führung haben den tollen weißen und roten Portwein verkostet. Die Firma Sandeman wurde 1790 in London vom Schotten George Sandeman als Import-Unternehmen für Port und Sherry gegründet. 1795 wurde die Niederlassung in Cádiz, Spanien und 1811 in Vila Nova de Gaia, Portugal gegründet.

Seit 1928 ist das typische Erkennungszeichen des Unternehmens die schwarze Silhouette eines Mannes mit Sombrero und langem Mantel, der ein Weinglas zum Mund führt, genannt Der Don. Der Caballero-Hut steht für die spanischen, der schwarze Studenten-Umhang für die portugiesischen Bereiche des Unternehmens.

Eliana war Don gekleidet und sie machte die tolle Führung mit uns in Deutsch und somit erfuhren wir alles Wissenswertes über den Portwein. Bei der Verkostung haben wir festgestellt, dass Portwein genau unsere Geschmacksrichtung trifft und wir haben unsere Liebe zu diesen edlen Tropfen entdeckt. Natürlich musste dieser hervorragende Sandeman-Portwein mit auf die Reise. Wie schön war es den Abend bei einem Gläschen Portwein auf dem Balkon abzuschließen.

Weinanbaugebiet im Douro-Tal

Das Weinanbaugebiet Alto Douro wurde 1756 das weltweit erste geschützte Weinbaugebiet und gehört seit 2001 zum UNESCO Weltkulturerbe. An seinen Hängen werden Douro-Weine – Tafelweine und der Portwein, ein Likörwein produziert. Es zählt zu den ältesten Weinbaugebieten der Welt.

An dem Ufern des Douro kann man die zum Teil sehr steilen Weinberge bewundern, die durch Trockenmauern geschützt werden, die die Terrassen stützen. Die verschiedenen Weingüter sind in schmalen Terrassen angelegt, die steil den Berg hinaufklettern, da ist nur Handarbeit möglich. Der Marquês de Pombal deklarierte die Region Peso da Règua und Pinhào zum exklusiven Herkunftsgebiet des Portweines.

Nur in diesem Weinanbaugebiet werden die Trauben für den weltberühmten Portwein kultiviert, der bereits seit rund 250 Jahren produziert wird.

Die neue Generation Winzer im Douro-Tal baut seit einigen Jahren auch Rot- und Weißweine der internationalen Spitzenklasse an. An der offiziellen Weinroute befinden sich ca. 50 Weingüter im Douro-Tal. Im Oktober, zur Weinlese, finden überall in der Region Weinfeste statt, auf denen man die leckeren Weine probieren kannst.

Der Portwein

Der Portwein ist eine der bekanntesten portugiesischen Weinspezialität. Laut Archäologen sind die ersten Funde von Traubenkernen im Nordosten Portugals auf die Bronzezeit datiert, wo hier Menschen nachweislich den ersten Weinanbau betrieben. Die Weinbauern fanden hier zwei der besten Voraussetzungen, das lebensspendende Wasser und die Sonne, zur Kultivierung des Weines.

Dort wo im Norden Portugals sonst nur Granit ist, durchfließt der Douro ein Schiefermassiv. Genau dies war die Chance für die ersten Weinbauern. Im Mittelalter schufen sie sich schmale Terrassen aus zertrümmertem Schiefer, die Patamares und pflanzten die ersten Weinreben zwischen die, als Pilheiros, genannten Mauern.

Der Portwein entstand durch eine englische Idee, denn zum Ende des 17. Jahrhunderts kam es zu einem Lieferengpass von französischen Weinen. Sie griffen auf portugiesische Weine zurück, jedoch verdarben die Weine auf ihrer längeren Reise nach England. Dies verhinderte der Zusatz von 77-prozentigem Äthanol (Weingeist) und so entstand der 19- bis 22-prozentige Portwein.

Der Ministerpräsident Marquês de Pombal gab am 10. September 1756 seinen Zuspruch zur Gründung der Allgemeinen Winzergesellschaft der Weinregion »Alto Douro« – der Companhia Geral da Agricultura das Vinhas do Alto Douro. Das Ziel war es, die unkontrollierte Überproduktion und Qualitätskrise durch gepanschte Weine mit Holunder, Zucker und Pfeffer, zu beherrschen. Dies sorgte für die Registrierung und sechsstufige Klassifikation der Portweine, Rot- und Weißweine. Es wurden Kataster für den Export angelegt. Vor Ort verkaufte man die einfachen Weine, Vinhos do Ramo als Hausweine, die hochklassigen »Vinhos de Feitoria« durften auf die Boote verladen werden. Als weltweit Erste erfuhren die Weine vom Duero eine geschützte Herkunftsbezeichnung.

In Steintrögen, den Lageres wurden täglich drei Stunden mit kurzen Hosen und rot gefärbten Beinen im Takt die Trauben getreten, dadurch wurde die Farbe des Portweins intensiver und auch der Fruchtgeschmack kam stärker heraus als bei maschineller Bearbeitung.

Mit Segelbooten, den »Barcos rabelos« transportierten sie die Weinfässer vom Douro-Tal bis zur Mündung des Atlantiks hinunter, dabei bedienten zehn Personen das große Steuer, die Espadela.

2001 bestimmte die UNESCO 24.600 Hektar der Weinregion zwischen Régua und Barca d’Alva zum Weltkulturerbe. Das Gesicht der bis auf 600 Meter hoch reichenden Schiefertreppen wurde auch von Oliven- und Mandelbäume, Orangen, Zitronen, Pfirsiche und Feigen geprägt.

Portwein wird wie folgt klassifiziert:
• Ruby – der junge, fruchtige Rote
• Tawny – der gereifte Rote
• Vintage Port – der herausragende Rote
• White Port – der milde Weiße
• Rosé Port – der süße Rosé

Bei Ruby kann man nichts falsch machen. Der Rubinrote Tropfen reift in der Flasche. Dabei entwickelt sich seine charakteristische Farbe und sein Aroma nach Johannisbeeren und Kirschen. Reste sollte man nach dem Öffnen nicht aufheben, denn nur frisch geöffnet erhält er das reiche Bouquet. Der Ruby Port passt hervorragend zu kräftigem Käse und süßen Nachspeisen.

Die Tawny Ports reifen im Fass bis zu 40 Jahre. Man genießt ihn besonders gut zu Vorspeisen und Dessert oder reicht ihn zu Käse. Die Aromen mit Nuancen von Melone, Beeren und Nüssen können einen Tawny begeistern. Ab einem Alter von 10 Jahren sind die Tawnys mahagonifarben.

Der Vintage Port ist etwas ganz Besonderes. Er ist ausgezeichnet, als Spitzenwein eines sehr guten Jahrgangs. Ein Vintage Port hat zwanzig Monate im Fass verbracht, die restliche, lange Zeitspanne ist er in seiner Flasche gereift. Das Interessante ist, dass er seinen Geschmack während des Kostens verändert. Besonders gut passen Vintage Ports zu starkem Käse und ausdrucksstarken Soßen und als verdauungsfördernder Abschluss.

Late Bottled Vintages reifen noch länger als Vintage Ports im Fass. Sie gelangen in den vier bis sechs Jahren im Fass zu ihrem abgerundeten Geschmack und so vollendet füllen die Kellermeister ihn in die Flaschen. Daher sind sie klar beim Öffnen. Die hervorragende Qualität lässt es zu ihn über einige Wochen schluckweise trinken.

Der White Ports ist ein weniger süßer und alkoholhaltiger Wein unter den Portweinen. Er harmoniert wunderbar mit Salat, Obst und Kuchen.

Rosé Ports reift zwei Jahre im Holzfass und fällt durch die Süße und Fruchtigkeit auf. Er wird auf Eis oder als Cocktail serviert und Reste sollten nicht aufbewahrt werden.

Im Douro-Tal genießen wir auf unserer Flussfahrt tolle Aussichten auf die Weinberge und romantische Dörfer, wie das besonders sehenswerte Pinhão mit seinem schönen Bahnhof und zahlreichen bekannten Weingütern.

Das beschaulichen Pinhão in Nord-Portugal wurde 1134 erstmals als Siedlung in der Gemeinde São Pedro de Celeirós de Panóias erwähnt. Der Ort erhielt 1991 den Status einer Vila – Kleinstadt.

Pinhão liegt im Zentrum des Portwein-Anbaugebietes Alto Douro, an der Mündung des Rio Pinhão in den Douro. Besonders sehenswert ist der mit zahlreichen Azulejos-Bildern, Bilderfliesen, ausgekleideten Bahnhof der Linha do Douro-Eisenbahnstrecke, der heute noch in Betrieb ist.

Besuch der Quinta da Avessada

Quinta da Avessada befindet sich im Weingut Favaios. Die Enoteca Quinta da Avessada ist ein interaktives Museum, das die Geschichte und Kultur des Weins in der Region Alto Douro darstellt. Auf 600 Metern Höhe und rund 1000 Hektar Anbaufläche ist es der höchste und flachste Punkt in der Region. 90% des Weinbergs wird mit der Sorte Moscatel Galego bewirtschaftet, aus dem der Moscatel de Favaios hergestellt wird.

Die Quinta wurde hauptsächlich aus einheimischen Materialien, wie Holz und Schiefer gebaut und ist umgeben von dem Weinberg. Sie besteht seit 160 Jahren und lebt vom Erbe der Vorfahren und der Tradition. Sie war die erste Farm in der Region, die die Sorte Moscatel Galego anbaute und die Sorte Moscatel de Favaios produzierte.

Quinta ist ein traditionelles Weingut. Quinta kommt von einem Fünftel, da früher ein Fünftel der Ernte abgegeben werden musste. Nach der Führung durch das Weinmuseum wurden wir zum Abendessen mit landestypischen Köstlichkeiten kulinarisch verwöhnt.

Wir danken dem Team von nicko cruises, der gesamten Besatzung der MS Douro Cruiser und der Reiseleiterin Nadine für die tolle Flusskreuzfahrt, die perfekte Organisation und tolle Unterstützung.

Fotos Gabriele Wilms und Michael Cremer

Faszinierend Flusskreuzfahrt auf dem Douro nach Spanien (Teil 1)

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Gabriele Wilms
Über Gabriele Wilms 731 Artikel
Seit vielen Jahren beschäftige ich mich intensiv mit der Tätigkeit als Reisejournalistin und Bloggerin. Ich betreue Toureal als verantwortliche Chefredakteurin. Gut ein Drittel des Jahres bin ich daher für unser Reisemagazin unterwegs in den schönsten Hotels, Regionen Europas und weltweit.

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