Hausbootferien mit Le Boat in Lothringen und im Elsass, Frankreich

Rate this post

Ich hatte mich entschlossen gemeinsam mit 5 Leuten Hausbootferien mit dem Hausbootvermieter Le Boat in Lothringen und im Elsass zu testen und ich war begeistert.

Die Basisstation von Le Boat befindet sich in dem kleinen, lothringischen Ort Hesse und hier übernimmt man das Hausboot. Die Anreise kann mit dem Auto oder mit der Bahn bis Saarburg, rund 4,5 km von Hesse und bequem mit dem Taxi, erfolgen. Für die Anreise mit dem Auto kann man an der Basis Parkplätze oder Garagenplätze buchen. Die Le Boat Basis in Hesse bietet Wasser- und Stromanschlüsse und Duschen / Toiletten.

In Saarburg hatten wir in einem großen Supermarkt sehr gut Vorräte für die Hausboottour eingekauft. Das einzig Schwierige ist, einkaufen in einem französischen Laden, wenn man kein Wort französisch spricht und auf der umfangreichen Einkaufsliste bestimmte Produkte standen, die man nicht kennt oder findet. Ich war froh Anett dabei zu haben, die französisch spricht.

Für uns, 6 Personen, hatte ich, als Kapitän, das Boot Horizon 4 mit 4 Doppelkabinen gechartert. Zwei Kabinen im Bug mit Doppelbett und zwei Kabinen mit 2 Einzelbetten. Alle Kabinen verfügen über ein Duschbad mit Toilette.

Zur Übernahme wurde eine Pauschale für Sprit und Nebenkosten und eine Kaution hinterlegt. Dann begann die Einweisung mit Eddi. Mir, als Kapitän, und Anett, als Co-Kapitän wurde das Schiff erklärt, gezeigt wie man Strom und Wasser tankt, Schmutzwasser ablässt, worauf dabei besonders geachtet werden muss. Besonders unserem Koch Jörg wurde der Herd und Gasgrill erklärt.

Dann ging es zur Einweisung in die Steuerung des Schiffes. Da ich bereits schon einmal 5 Tage ein Boot von Locaboat  gesteuert hatte, hatte ich bereits Erfahrung und ich kam auch ganz schnell wieder rein. Jedes Schiff reagiert ja anders und deshalb musste ich mich auch erst an die Reaktion der Steuerung gewöhnen. Ich machte im Beisein von Eddi Anlegemanöver und parkte das Schiff zwischen den anderen Booten rückwärts ein.

Somit war ich eingewiesen und es hieß „alles hört auf mein Kommando -Leinen los“. Wir starteten unsere einwöchige Hausboottour auf dem Canal de la Marne au Rhin. Der Kanal verbindet den Marne-Seitenkanal und den Kanal zwischen Champagne und Burgund mit der Mosel bei Nancy und dem Rhein bei Straßburg.

Wir starteten in Richtung Straßburg und gleich von Anfang an wurde ich voll herausgefordert, denn der Kanal ist sehr eng und hat auch immer wieder Verengungen. Für Anfänger empfehle ich die andere Richtung zu Beginn, denn da ist der Kanal ist einfach breiter.

Ich hatte unser Hausboot als „tanzende Lady“ getauft, denn ich bin anfangs ein bisschen Slalom gefahren. Das Boot reagiert auf die Lenkung sehr spät und man muss rechtzeitig gegenlenken, bis ich dies richtig raus hatte, „tanzte die Lady“ auf dem Wasser. Besonders hilfreich war das Heck- und Bugstrahlruder, mit dem ich gut an engen Stellen, in den Schleusen, in den Tunneln und beim Anlegen das Schiff steuern konnte.

Nach rund einer Stunde Fahrt erreichten wir unseren ersten Anlegeplatz in Niderviller. Unser Nachbar, der Schweizer des Schiffes Lilly kam uns gleich zur Hilfe beim Anlegen.

Der Salon unseres Bootes ist mit einer gemütlichen Sitzecke und voll ausgestatteten Küche eingerichtet. Hier hatte unser Koch Jörg sein Reich eingerichtet. Er ist Fernsehkoch und gibt in München Kochkurse. Auf unserer Tour hatte er uns typische, französische Köstlichkeiten zubereitet und unseren Gaumen verwöhnt.

Wir machten es uns auf dem Oberdeck gemütlich und genossen den wunderschönen Sonnenuntergang bei einem richtig guten Glas Wein.

Den nächsten morgen beginnen wir mit einem leckeren Frühstück im Salon und gut gestärkt machten wir uns zum Ablegen fertig. Wir hatten noch Frischwasser getankt, um einen vollen Tank zu haben. Ich nahm das Steuer in die Hand und wir legten etwas später als „Lilly“ ab.

Der Tag hatte ein paar besondere Herausforderungen für uns. Sehr hilfreich waren die Ordner mit den Routen, Wasser-Verkehrszeichen und Schiffsanleitung. Gerade die Wasser-Verkehrszeichen sind sehr wichtig. Dabei hatte mich meine Crew super unterstützt. Wir sind als richtiges Team zusammengewachsen, das ist ganz wichtig, denn in Schleusen und Tunneln muss man zusammenarbeiten, schauen und das Boot festhalten. So eine Bootstour eignet sich auch perfekt für Firmen zur Teambildung.

Tunneleinfaht bei Niderviller, eine echte Herausforderung zu Beginn unserer 7-tägigen Tour, die wir aber gemeinsam meisterhaft gemeistert hatten.

Eine große Herausforderung waren die beiden schmalen Tunnel bei Niderviller. Mit denen überwindeten wir eine Höhe von 267 Metern die Vogesen. Der erste Tunnel war 480m lang. Dann der zweite Tunnel mit einer Länge von 2.310 Metern war schon echt nicht ohne und ich war froh diesen unbeschadet mit Hilfe aller überwunden zu haben.

Und gleich ging es weiter, bei Arzviller erreichten das gigantische Schiffshebewerk Saint-Louis. Das gigantische Bauwerk hatte mich total beeindruckt. Wir hatten einige Boote von uns und mussten uns in die Warteschlange einreihen. So hatten wir Zeit, uns etwas umzuschauen.

Das Schiffshebewerk Saint-Louis ist seit 1969 in Betrieb und überwindet einen Höhenunterschied von 44,55 m. Damit wurden 17 Schleusen zwischen Saint-Louis und Arzviller in Lothringen ersetzt.

Es handelt sich hier um ein Schiffshebewerk mit Nassförderung, ein auf Rollen gelagerter Trog, der durch Seile gehalten wird und sich mit zwei Gegengewichten im Gleichgewicht befindet. Der Trog ist 41,50 m lang und 5,50 m breit, somit passen 3 Boote unserer Größe 13,5 m gleichzeitig in den Trog. Die Wassertiefe beträgt 3,20 m, dabei wird bei der Talfahrt der Trog mit Wasser gefüllt bis sein Gewicht etwas größer ist als das der Gegengewichte. Für die Bergfahrt wird Wasser abgelassen, so dass der Trog leichter als die Gegengewichte ist.

Der Trog wird durch elektrisch angetriebene Winden auf einer schiefen Ebene mit einem Gefälle von 41 % rund 100 m senkrecht nach oben oder unten bewegt.

Wir waren bei unserer Talfahrt gemeinsam mit „Lilly“ im Trog, es war ein gigantisches Schauspiel, was von unendlich vielen Menschen auf der oberen Plattform beobachtet und fotografiert wurde.

Unser Tagesziel nach rund 5 Stunden mit Wartezeit war der idyllische Ort Lutzelbourg, wo wir an unserem Liegeplatz gleich nach der Schleuse, gleich am Ortskern anlegten. Was mir besonders aufgefallen war, war die Freundlichkeit der Menschen der Region und der anderen Schiffe, alle grüßten und winkten uns zu, sogar die Radler grüßten uns.

Der Ort ist nach der mittelalterlichen Burg Lützelburg benannt, die Ende des 11. Jahrhunderts erbaut wurde. Ein Teil unserer Mannschaft machten einen Spaziergang zur Burgruine. Jörg und Ich kauften in dem Bioladen bei dem netten Verkäufer Vorräte und Grillgut. Wir trafen uns alle auf ein Bierchen im Restaurant, eh wir gemeinsam die Einkäufe zum Boot brachten.

Am Abend grillte Jörg Fleischspieße, Würstchen und Gemüse an Deck, dazu hatte er leckeren Zaziki und Kartoffeln vorbereitet. Den Abend ließen wir mit Karaoke und einem guten Gläschen Wein ausklingen.

Am nächsten Morgen starteten wir unsere Tour nach Saverne. Saverne ist eine Stadt im Unterelsass, an der Zorn und dem parallel dazu verlaufenden Rhein-Marne-Kanal gelegen. Der Canal de la Marne verbindet Vitry-le-Francois mit Straßburg. Wir erreichen den örtlichen Yachthafen gegenüber vom Rohan Schloss über eine kleine Schleuse im Stadtzentrum. 70 Anlegeplätze stehen hier zum Anlegen bereit. Duschen und WC kann nach Begleichen der Liegegebühr benutzen. Ebenso kann man Frischwasser und Strom tanken und seinen Müll entsorgen.

In nur wenigen Minuten zu Fuß erreichen wir den Ortskern. Mitten im Zentrum der Stadt prunkt das 1790 erbaute Chateau des Rohan mit seinem Rosengarten, was an Versailles erinnert. Auf der Parkseite verfügt es über eine 140 m lange monumentale Fassade aus rotem Sandstein und ist damit die längste klassizistische Schlossfassade in ganz Frankreich.

Das schöne Gebäude beherbergt heute das Stadtmuseum mit einer reichen archäologischen Sammlung, einigen regionalen Kunstwerken aus dem Mittelalter und der Renaissance.

Im Museum befindet sich auch eine von Louise Weiss gestifteten Sammlung an Werken des 20. Jahrhunderts. Sie war eine französische Politikerin, Schriftstellerin, Journalistin und Feministin und engagierte sich für internationale Zusammenarbeit, Frieden, europäische Integration und Frauenrechte. Sie war von 1979 bis zu ihrem Tod, 1983 mit 90 Jahren, Mitglied des Europäischen Parlaments.

Auf den Marktplatz befindet sich ein großer Brunnen mit einer wunderschönen, lebensgroßen Statue der Luise Weiss.

Wir wurden eingeladen auf das Dach des Schlosses zu steigen und den traumhaften rundum Blick auf die Stadt und Umgebung genießen.

Der schöne Ort verzauberte durch seine schönen Fachwerkhäuser, dabei besonders das legendäre, außergewöhnlich schöne Fachwerkhaus Maison Katz. Es stammt aus dem Jahr 1605 und gehört mit seinen reichen Verzierungen zu den ältesten Fachwerkhäusern im Elsass.

Das Wahrzeichen der Stadt ist das Einhorn, was einem auch immer wieder begegnet.

Am Nachmittag stand der Besuch des Roseraie de Saverne, einem Rosarium im Elsass, weshalb man sie auch als Rosenstadt bezeichnet. Das Rosarium wurde 1898 gegründet und ging Initiative von dem Rosenzüchter Louis Walter aus.

Wir hatten uns dazu entschlossen 2 Nächte hier in Saverne liegen zu bleiben, denn das Städtchen und die Umgebung hatten wirklich viel zu bieten.

Am nächsten Tag besuchten wir den Wochenmarkt, wo wir uns mit frischem Obst, Gemüse und Fleisch versorgten. Auch das eine oder andere Souvenir wurde eingekauft.

Für Unterhaltung sorgte eine lustige Kapelle und ein Feuerschlucker, sowie eine Band.

Ausflugstipp um Saverne

Die Stadt ist auch der perfekte Ausgangspunkt für eine Wanderung zum Château du Haut-Barr. Es ist eine sehr große Burg oberhalb von Saverne auf rund 470 Meter Höhe.

Die Felsenburg wurde um 1123 auf und zwischen drei bizarren Felsen erbaut und thront auf über dem bewaldeten Tal der Zorn. Eine gigantische „Teufelsbrücke“ verbindet die beiden südlichen Burgfelsen, die Gipfel der Felsen ist über Treppen erreichbar.

Von hier traumhaften Ausblicken über die Vogesen und das Rheintal. Die Burg ist heute bewirtschaftet und es gibt ein Restaurant. Für die Wanderung sollte man gute Kondition und Trittsicherheit mitbringen.

Nach zwei Nächten in Saverne starteten wir wieder unsere Rücktour mit Tagesziel in Lutzelbourg. Die Freude war groß, denn am Anlegerplatz lag vor uns die „Lilly“ und der Schweizer kam uns gleich wieder zu Hilfe. Den Abend verbrachten wir gemütlich im Salon bei Musik und es wurde sogar das Tanzbein geschwungen. Am nächsten Morgen musste uns unser Koch Jörg leider schon verlassen, ab jetzt hieß es Frauenpower.

Am fünften Tag unserer Tour stand dann wieder eine anstrengende und abwechslungsreiche Fahrt auf dem Programm. Wir fuhren direkt zurück nach Hesse, die hieß viele Schleusen rauf, was schwieriger als runter war, denn die Leinen mussten mit der Stange oben über die Boller gelegt werden. Es zeigte sich immer mehr, wie richtig gut wir zusammengearbeitet hatten.

Dann wieder mit dem gigantischen Schiffshebewerk nach oben, was mich wieder total beeindruckt hatte. Wir waren drei Boote im Trog, ich hatte erst meine Zweifel, ob wir da mit reinpassten, aber der Schleusenwärter wies uns perfekt ein. Wenn ein Schleusenwärter vor Ort ist, bin ich der Meinung sollte man ihm auch ein kleines Trinkgeld geben, die hatten sich jedenfalls riesig gefreut. Die Schleusen und das Schiffshebewerk sind kostenlos zu benutzen.

Am vorletzten Tag fuhren wir mit unserer „tanzenden Lady“ noch einmal in die andere Richtung, in Richtung Nancy. Es war richtig kalt und ich musste sogar Handschuhe anziehen und immer wieder Regen, aber mit Regenjacke und Regencape kein Problem.

Unser Ziel war die größte Schleuse des französischen Wassernetzes in Rechicourt le Chateau. Sie wurde 1965 in Betrieb genommen. Wir hatten sie nur besichtigt, denn um damit nach unten und später wieder nach oben zu fahren, hat uns die Zeit gefehlt.

Für unsere letzte Nacht an Bord legten wir Xouaxange an. Der kleine Ort bietet eine schöne Dorfkirche St. Remi mit einem nach Südost ausgerichteten Bau des 15.–16. Jahrhunderts, sowie die Wasserburgruine Château de Xouaxange.

Wir sind in das Restaurant Auberge du Mesnil eingekehrt. Mit einer etwas exotischen Atmosphäre und sehr netter Bedienung bietet es traditionelle Küche aus Madagaskar und der Region Lothringen an. Gabi und ich hatten das erste Mal Froschschenkel probiert und wir waren begeistert.

Am frühen Morgen starteten wir zu unserer letzten Fahrt nach Hesse, wo wir 9.00 Uhr das Schiff gereinigt übergeben mussten. Dies war noch einmal traumhaft schön, mystisch wie der Nebel vom Wasser aufstieg und die Strahlen der langsam aufgehenden Sonne durch die Bäume und Büsche blitzten.

Fazit: Solch einen Hausbooturlaub ist sehr zu empfehlen, ich hatte es sehr genossen. Man hat sein Hotelzimmer dabei und kann anlegen wo es einen gefällt. Es ist perfekt für Teambildung, aber auch Familienurlaub oder Urlaub mit Freunden. Man muss nur bedenken man ist viele Tage zusammen auf engsten Raum.

Ich danke den Hausbootvermieter Le Boat und Anett Wiegand von Noble Kommunikation für die Unterstützung dieser tollen Reise.

Fotos Gabriele Wilms, Gabi Vögele, Jörg Bornmann und Anett Wiegand

Booking.com
Gabriele Wilms
Über Gabriele Wilms 765 Artikel
Seit vielen Jahren beschäftige ich mich intensiv mit der Tätigkeit als Reisejournalistin und Bloggerin. Ich bin Inhaberin des Reisemagazin Toureal und betreue es als verantwortliche Chefredakteurin. Gut ein Drittel des Jahres bin ich daher in den schönsten Hotels, Regionen Europas und weltweit für unser Reisemagazin unterwegs .

2 Kommentare

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*