Kneipp – mit kaltem Guss top in Schuss

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Bad Wörishofen feiert Kneipps 200. Geburtstag und hier geben Kneipp-Experten Tipps, wie man Kneipp in den Alltag integrieren kann.

Sebastian Kneipp als Mensch und Geistlicher, sein großes Lebenswerk, seine besonderen Interessen – das alles wird in diesem und teilweise im nächsten Jahr in Bad Wörishofen beleuchtet. Aufgrund der Corona-Beschränkungen werden einige Veranstaltungen rund um den Geburtstag online stattfinden, wie zum Beispiel eine virtuelle Festwoche. Weitere bereits geplante Veranstaltungen, wie das Kneipp-Musical oder die Kneippiade, wurden auf 2022 verschoben.

Wer den Pfarrer mit der manchmal nicht ganz zimperlichen Wortwahl und der Gießkanne ganz für sich ehren möchte, hat dazu reichlich Gelegenheit. Insgesamt 24 öffentliche Kneippanlagen gibt es in und um das Kneipp-Heilbad. Die Heilkraft des Wassers ist eine der fünf Säulen, auf der seine Lehre basiert. Zwei weitere sind eine gesunde, ausgewogene Ernährung und die Heilkraft der Pflanzen.

Bewegung ist die vierte Säule, die dank Barfußpfad, Sinnesgarten und dem ausgedehnten Rad- und Wanderwegenetz keine Wünsche offenlässt. Mit Nummer fünf liegt der Visionär voll im Trend: Sein Prinzip der Lebensordnung, die Körper und Geist in Einklang bringen.

Es mag etwas archaisch anmuten, das auf der zweiten Seite gezeigte Schwarz-Weiß-Bild des Körpergusses vor spartanischer Kulisse. Viele haben das vor Augen, wenn der Name Kneipp fällt. Und doch ist seine ganzheitliche Naturheillehre aktueller denn je. Die berühmten und vielleicht auch berüchtigten kalten Güsse sind eben nur ein Teil der traditionellen Kneipp-Kur. Was heute als Clean Eating, Work-Life-Balance und Achtsamkeit in aller Munde ist, hat der berühmte Pfarrer aus dem Allgäu bereits im 19. Jahrhundert praktiziert und gelehrt.

Am 17. Mai 2021 jährt sich Sebastian Kneipps Geburtstag zum 200. Mal. Höchste Zeit, dem Geburtsort seiner Fünf-Säulen-Lehre einen Besuch abzustatten. Also auf nach Bad Wörishofen, in den größten Kneippkurort der Welt!

Bad Wörishofen , (c) Gesundes Bayern

Es ist der größte Kneippkurort der Welt. Der Begründer der Traditionellen Europäischen Medizin veröffentlichte von hier aus seine Schriften, unter seinem Einfluss wurde der beschauliche Ort zur vielbeachteten und -besuchten Kurstadt. Die Rede ist von Bad Wörishofen, das seit über 100 Jahren das Prädikat Bad trägt und in diesem Jahr den 200. Geburtstag seines berühmtesten Einwohners feiert: Pfarrer Sebastian Kneipp. 42 Jahre lang hat er hier gewirkt und praktiziert. Sein 1887 veröffentlichtes Buch „Meine Wasserkur“, wie auch dessen Nachfolger „So sollt ihr leben“, wurden zum Welterfolg. Der Rest ist Geschichte: Ganze 33.000 Kurgäste besuchten Wörishofen im Jahr 1893. Heute sind es etwa 153.000 – und das aus aller Welt.

Sebastian Kneipp – der Mann hinter der Berühmtheit

1821 als Sohn eines Webers und Kleinbauern in Stephansried geboren, wuchs Sebastian Kneipp in ärmlichen Verhältnissen auf und musste sich gegen viele Widerstände behaupten, um Priester werden zu können. Während er sich schon als Student mit der Heilkraft des Wassers beschäftigte, dauerte es doch relativ lang, bis ihn Freunde in den 1880er Jahren endlich dazu brachten, seine Lehre zu veröffentlichen.

Bad Wörishofen, Wirkungsstätte Kneipp, (c) Gesundes Bayern

Angefangen hat die Kneippsche Erfolgsstory 1848. Der damals 27-Jährige litt schon länger unter Tuberkulose, seine Ärzte befanden: unheilbar. Doch dann fiel dem Theologiestudenten ein Buch des Arztes Johann Siegmund Hahn in die Hände. Dessen Ideen von einer Wasserheilkunde waren seine Rettung. Kneipp kurierte sich mit Güssen und Bädern in der eiskalten Donau selbst.

Von nun an entwickelt Kneipp seine Hydrotherapie stetig weiter und wendet sie erfolgreich an. Sogar einen Cholera-Ausbruch in dem bayerischen Dörfchen Boos kann er eindämmen. Doch Schulmediziner und Kirche beäugen den engagierten Geistlichen zunehmend skeptisch. 1855 wird Kneipp in das Dominikanerinnen-Kloster ins kleine Wörishofen im Allgäu strafversetzt.

Pfarrer Sebastian Kneipp wurde zum Weltstar. Leider wurde dieser Erfolg nicht nur wohlwollend betrachtet. So musste Kneipp sich immer wieder gegen den Vorwurf der Profitgier wehren. Zu Unrecht. In Honorarangelegenheiten war der Pfarrer zwar nicht zimperlich, aber er agierte wie ein „Robin Hood der Gesundheit“:

Die Armen behandelte er umsonst, die reichen Patienten hingegen bat er ordentlich zur Kasse. Diese Geschichte, ebenso wie Kneipps Passion für die Bienenzucht und Imkerei oder seine „Freundschaft“ zu einem weißen Spitz, der ihm selbst im Beichtstuhl nicht von der Seite wich, sind recht wenigen Menschen bekannt.

Kneipp auf Körper, Geist und Seele wirkt und dass sich dahinter mehr verbirgt als nur Wassertreten: Innere Ordnung, Ernährung, Bewegung, Kräuter, Wasser – fünf Elemente, die Sie ganz leicht auch in Ihren Alltag integrieren können.

Kneipp-Koch Marcus Müller zu Clean Eating von heute

Kneipp-Koch Marcus Müller aus Bad Wörishofen bereitet live bei dem Online-Presseevent von GESUNDES BAYERN einen Quark mit Brennnesseln und Löwenzahn zu.

Zutaten:

Quark, Brennnessel-Samen, Brennnesseln, Löwenzahn und Dinkelvollkornbrot, Radieschen und grüner Spargel

Zubereitung:

Brennnessel-Samen werden geröstet und zum Quark gegeben. Die Brennnesseln und die zarten Löwenzahnblätter kleinschneiden und ebenfalls zum Quark geben. Ein Tipp zu den Brennnesseln: sie immer von unten nach oben streifen, dann spürt man die Nesseln nicht, oder man spült sie kurz mit wenig warmen Wasser. Junge Brennnesselblätter haben noch keine Nesseln. Alles gut mischen und abschmecken, einen Esslöffel Quark auf die Scheine Dinkelvollkornbrot geben und klein geschnittene Radieschen oder grünen Spargel darüber streuen.

Dies entspricht genau der Kneippschen Lehre, denn er sagte man solle mehr von Pflanzen als von Tieren essen.

Augenbad und Armbad mit Angela Hofer

Gerade zu Zeiten von Corona, Homeoffice und PC-Arbeit sollte man etwas für die gestressten Augen tun. Hier ein paar Tipps von Angela Hofer aus Bad Wörishofen:

Augenbad nach Kneipp

Man nimmt eine große Schüssel mit kaltem Wasser, stellt sie auf den Tisch, setzt sich davon und geht mit geöffneten Augen in das Wasser, mehrmals mit den Augen klimpern und ins Wasser ausatmen. Raus aus dem Wasser und mit den Händen das Gesicht abstreifen und auch über den Nacken dabei fahren, das erfrischt. Wenn die Augen brennen, sollte man das mehrmals wiederholen.

Kaltes Armbad nach Kneipp

Ins Waschbecken kaltes Wasser einfüllen, ein paar Sekunden mit den Unterarmen darin baden und dabei die Finger bewegen. Raus und Wasser abstreifen und dabei über den Nacken fahren. Mehrmals wiederholen. Das erfrischt und es muss nicht immer Kaffee sein.

Bei einer Wanderung einfach mal Schuhe ausziehen und durch das feuchte Gras laufen, oder die Füße in den kalten Fluss oder See halten, am besten immer ein kleines Handtuch in den Rucksack.

Übung für die Halswirbelsäule mit Dr. Cordula von der Ropp

Gerade bei der Arbeit am PC leidet unsere Halswirbelsäule am meisten, Dr. Cordula von der Ropp aus Bad Wörishofen hat uns eine Übung gezeigt, die man ohne Probleme in den Alltag integrieren kann.

Man setzt sich aufrecht auf den Stuhl, beide Füße stehen fest auf dem Boden. Nun dreht man den Kopf nach links, soweit es geht und fixiert sich auf einen Punkt. Dann dreht den Kopf nach rechts soweit es geht und fixiert ebenfalls einen Punkt.

Nun streckt man beide Arme nach vorn und abwechselnd werden die Arme weiter nach vorn geschoben. Das Ganze noch jeweils 5x wiederholen. Danach wieder den Kopf nach rechts und links drehen und man staunt, dass man den Kopf weiterdrehen kann.

Mit kalten Güssen, Bädern und Wickeln hatte der Priester und „Wasserdoktor“ Sebastian Kneipp schon zu Lebzeiten enormen Erfolg. GESUNDES BAYERN zeigt, wie aktuell seine Lehre noch heute ist – 200 Jahre nach der Geburt ihres Erfinders. Und was außer Wasser noch dahintersteckt. Weitere Informationen unter www.gesundes-bayern.de.

Fotos Gabriele Wilms und Gesundes Bayern

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Gabriele Wilms
Über Gabriele Wilms 734 Artikel
Seit vielen Jahren beschäftige ich mich intensiv mit der Tätigkeit als Reisejournalistin und Bloggerin. Ich betreue Toureal als verantwortliche Chefredakteurin. Gut ein Drittel des Jahres bin ich daher für unser Reisemagazin unterwegs in den schönsten Hotels, Regionen Europas und weltweit.

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